ETCD-Tagebuch

Österreich 2009

Wien (Österreich) 2009

European Trauma Cultural Days

vom 7. bis 11. Mai 2009 in Wien


ETCD-Teilnehmer mit Blick auf Wien vom Oberen Belvedere

Teilnehmer: 8 Belgien, 6 Dänemark, 3 Großbritannien, 2 Italien, 1 Schweiz, 10 Slowenien, 2 Spanien, 7 Österreich

Organisatoren: Dr. Nikolaus Steinhoff, Christine Hybl sowie Sigrid, Hilde und Otto Kundela

Autorin: Barbara Ghesla

Donnerstag, 7. Mai 2009

Um 6.50 Uhr begann unsere Fahrt zu den ETCD 2009 in Wien mit der Abfahrt unseres Zuges in Bregenz. Ein ÖBB-Mitarbeiter erwartete uns schon beim Eingang und begleitete uns zum richtigen reservierten Abteil. Dann ging´s los in „Richtung ETCD“. Mit meinem Freund Urban war ich schon sehr gespannt, was  uns dort erwarten wird!

Unser Rollstuhl stand gut fixiert an der Seite. Um etwas auf den Rollstuhl zu legen, stand ich auf und wollte die zwei Meter Entfernung hingehen … genau da machte der Zug einen Ruck. Ich verlor mein Gleichgewicht und kippte um. Als ich am Boden lag, kam gleich ein Mitreisender, um mir beim Aufstehen zu helfen, aber ich hatte es noch alleine geschafft. Unsere Reise ging weiter:   Als mein Freund Urban das WC aufsuchte, stand der Zug gerade in einem Bahnhof. Genau als er seine Hände wusch, fuhr der Zug wieder los. Klar verlor auch er sein Gleichgewicht und kippte mit dem Kopf voran mit seiner Stirn an den Spiegel. Dabei hinterliess er einen  „Fettfleck“ auf dem Glas, den ich  dann aber wegwischte! Lange ging die Reise lange problemlos weiter, bis später ich das WC aufsuchen wollte und machte mich auf den Weg. Urban sass dösend, musikhörend mit CD-Player,  mit geschlossenen Augen auf seinem Sitz  mir gegenüber. Just in dem Moment, als ich stand, rumpelte der Zug schon wieder … erneut verlor ich das Gleichgewicht und kippte zur Seite. Hatte mich hilfesuchend, um nicht auf den Boden zu stürzen, an Urbans Kopf festgehalten. Da er, völlig überrascht von meiner Aktion, nicht darauf gefasst war, hatte ich ihn gleich aus dem Sitz mitgerissen … diesmal lagen wir gemeinsam, nebeneinander am Boden!?

Um 14.14 Uhr trafen wir schliesslich in Wien-Hütteldorf  ein, wo wir herzlich von Sigrid mit ihren Eltern (Hilde & Otto) willkommen geheissen und abgeholt wurden. Leider gibt es beim Bahnhof Hütteldorf keinen Lift, sondern nur Rolltreppen. Wir, beziehungsweise mehr oder weniger Urban war gezwungen, mit dem Rolli die Rolltreppe zu verwenden – funktionierte problemlos, allerdings verklemmten sich beim Ausstieg die vorderen Räder mit dem Laufband, wodurch Urban durch die unerwartete Blockade auf den Rücken fiel. Mithilfe von Hilde und Otto kam Urban unverletzt wieder auf die Beine –  nur ein kleines Loch in der Hose zeugt vom Sturz. Dann machte Otto mit seinem Auto eine Sightseeingtour durch Wien bis zum Hotel. Das war sehr eindrucksvoll und er hatte auch viel zu erzählen.

Sigrid war in der Zwischenzeit zum Südbahnhof gefahren, wo sie die Slowenen, Italiener und Steirer abholen durfte. Irgendwie muss bei den Anmeldungen etwas verloren gegangen sein, denn wiedererwartend gab es drei Rollstuhlfahrer und dazu noch drei stark gehbehinderte Teilnehmer. Eigentlich wäre man den Weg vom Südbahnhof zur U1-Station Südtirolerplatz in fünf Minuten zu Fuß gegangen. Doch dazwischen gibt es auch noch Stufen!? Ein netter Mann vom Bahnhofspersonal erkannte die schwierige Lage und schlug vor, über die Brücke ins danebenliegende Parkhaus zu gehen, dort gibt es einen Lift. Als sich die Gruppe dann auf den Weg machte und über die Brücke gehen wollte, begann ein Epileptiker von den Slowenen zu rebellieren. Er konnte nicht über die verglaste Brücke gehen. So teilte sich die Gruppe und brauchte für die wegen einer Baustelle doch verlängerte Entfernung und lange Wartezeiten beim Lift fast eine gute Stunde zur U-Bahn. Bei der Station „Alte Donau“ wurden sie dann von Hilde und Christine abgeholt, die bei den letzten 200 Metern beim Koffertragen halfen … endlich im Hotel angekommen, trafen knapp eine viertel Stunde später auch die vom Flughafen mit einem Bus abgeholten Teilnehmer ein.

Im Hotel Lenas Donau, Wagramerstrasse 52, 1220 Wien wurden alle Teilnehmer von Dr. Nikolaus Steinhoff, dem Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Schädel-Hirn-Trauma ÖGSHT und der Generalsekretärin Sigrid Kundela begrüsst. Wir wurden über das Programm informiert und konnten uns beim Verzehr von Pizzas gegenseitig kurz einmal beschnuppern. Die insgesamt 39 Teilnehmer kamen aus 8 Ländern und wenigstens deren Nationenleiter konnten alle gut genug Englisch = Veranstaltungssprache. Bald waren dann alle geschafft und erledigt in Richtung Zimmer/Bett entschwunden.

Freitag, 8. Mai 2009

Wir genossen das ausgiebige Frühstück von 7.00 bis 8.30 Uhr, um für den anstrengenden Tag gewappnet zu sein. Um 8.45 Uhr ging es mit dem Bus Richtung Schönbrunn los. Das Ein- und Aussteigen in und auch aus dem Bus war aufgrund der starken Behinderung zweier Teilnehmer kompliziert.  Beide mussten dabei von jeweils zwei Pflegern gehalten werden – einer vorne, der andere hinten – hat  zwar immer etwas länger gedauert, aber jedes Mal einwandfrei geklappt!

Wir wurden zum Tiergarten Schönbrunn gefahren. Dort hatten wir die Möglichkeit den Zoo selbständig zu erforschen: uns haben die Nilpferde, Eisbären, Löwen, Pandas, Giraffen … usw. sehr beeindruckt. Wir standen vor dem Gehege der Pandas und wunderten uns, wieso wir nur die Rücken der Pandas sahen. Jeder kehrte uns seinen Rücken zu! Auf einem Schild lasen wir dann, dass Pandas Blitzlichter nicht ausstehen können, ausserdem nicht gerne angesehen werden und uns deshalb lieber ihre Rückseite zeigten. Den meisten Spass hatten wir bei den Eisbären. Sie ärgerten sich gegenseitig und sprangen immer wieder voller Inbrunst in das kalte Wasser. Ohne gläserne Trennwand wären wir Zuschauer sicher triefend nass dabei geworden.

Beim Einsteigen in den Bus bekam dann jeder ein Lunchpackerl mit einem Apfel, Schnitten und einer kleinen Flasche Mineralwasser. Mit dieser Stärkung konnten alle bis zum Nachtmahl am Abend gut ohne Hunger aushalten.

Den Nachmittag verbrachten wir in der UNO-City. Normalerweise muss jeder Besucher beim Einlass seinen Pass vorzeigen. Wir hatten eine grosse Ausnahme und wurden ohne Vorzeigen unserer Ausweise eingelassen – hätte sonst vermutlich länger gedauert oder vielleicht sahen wir alle einfach so harmlos und unschuldig aus. Vor dem überdimensionalen Brunnen, den die 192 Fahnen der UNO-Länder umringen, wurde dieses Foto mit allen ETCD-Teilnehmern gemacht. Wir erfuhren, dass dieser Brunnen notwendig war, weil durch die 24.000 Fenster, die an dem Gebäude der UNO-City angebracht sind, durch die Spiegelung eine zu grosse Hitze entstehen würde.

Beim Brunnen mit den Flaggen aller Nationen in der UNO-City Wien

Danach wurden wir wegen der verschiedenen Muttersprachen in drei Gruppen aufgeteilt und bekamen jeweils eine/n Führer/in. Unsere Führerin hiess Barbara und war Schweizerin. Darüber hatte sich Urban natürlich besonders gefreut. Es wurde uns erklärt, dass die UN bereits 1945 gegründet und 1979 die UNO-City in Wien eröffnet wurde. Dort sind 4000 Mitarbeiter tätig.

Um 14.00 Uhr hatten wir die Möglichkeit an der Diskussion über die UNO-Behindertenkonvention teilzunehmen. Diese Konvention = vertragliches Übereinkommen trat am 3. Mai 2008 in Kraft.                    Dr. Lademann von der UNO erklärte, dass die erste Konvention im neuen Millenium dieschnellstverhandeltste Menschenrechtsregelung ist und jene mit der größten Beteiligung von Nichtregierungs-organisationen (mindestens 800) war. Sensationell ist auch die Zustimmung zu einem Zusatzprotokoll, welches Individualbeschwerden vorsieht. Der Entwurf solcher Protokolle dauert normalerweise Jahre, manchmal einJahrzehnt. Deshalb bedeutet die Umsetzung der neuen Konvention für die Rechte behinderter Menschen einen bahnbrechenden Schritt in Richtung Gleichberechtigung und Gleichstellung behinderter Menschen – in Europa ebenso wie in Entwicklungsländern. 139 Länder haben dieser Konvention bislang unterzeichnet und 53 bereits gesetzlich umgesetzt. Ziel der Konvention ist es, Diskriminierungen gegenüber behinderter Menschen abzubauen und die volle Verwirklichung der Menschenrechte für alle Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten. Konkret regelt die Konvention das Recht behinderter Menschen auf Bildung, Arbeit, Gesundheit und soziale Absicherung, und fordert für diese Personen volle Beteiligung in Politik und Gesellschaft.

Dr. Niki Steinhoff beschrieb vieles über Hirnverletzungen, wie unter anderem, dass alleine in Deutschland 200.000 Menschen jedes Jahr eine Hirnverletzung erleiden. Außerdem sagte er, dass so eine Verletzung plötzlich passiert, viele Regionen des Hirns betroffen sein können und dass davon meistens jüngere Menschen betroffen sind. Weiters teilte er mit, dass 0,8 % der Weltbevölkerung eine Behinderung hätten, allerdings vermutlich noch viel mehr, da 80 % der Hirnverletzten in Entwicklungsländern leben. 650 Millionen behinderte Menschen gibt es weltweit. 1,7 Millionen ÖsterreicherInnen haben eine dauerhafte Beeinträchtigung, wie leichte Sehbeeinträchtigung, mit psychischen  Problemen oder vollständig immobile Menschen.

Nach diesem außerordentlich interessanten, durch die englische Sprache aber auch anstrengenden Nachmittag ging es nach dem Nachtmahl in die Volksoper. „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar stand auf dem Programm.  Diese Operette war wirklich unterhaltsam, sogar der Direktor der Volksoper,  Robert Meyer war als Sprechschauspieler auf der Bühne tätig und brachte uns oft zum Lachen. Am Ende dieser Veranstaltung gab es stehenden Applaus. Klar hatten wir da auch mitgemacht und gratulierten so dem Dirigent Rudolf Bibl zu seinem 80. Geburtstag. Ich bin mir sicher, dass fast allen ETCD-ler das Stück sehr gut gefallen hatte. Nur Urban verschlief die ersten zwei Akte und wurde erst durch die Arie einer Solistin wieder erweckt. „Kunstbanause!“ Danach wurden wir von unserem Bus zurück ins Hotel gebracht. Dort ging es gleich ins Bett, denn natürlich waren wir alle doch ein bisschen erledigt.

Samstag, 9. Mai 2009

Ab 7.00 Uhr trafen wir alle ETCD-Teilnehmer beim ausgiebigen Frühstück. Nachdem Otto mit seinem Auto Sigrid und Hilde gebracht hatte, suchte er nach den beiden Italienern. Er hatte am Vortag für Lellas Sohn einen Schal von der Fußballmannschaft Rapid besorgt.  Sie war sehr glücklich, da der Fanshop beim Stadium doch nicht so leicht erreichbar war.

Am Vormittag mussten wir nicht in den Bus, um irgendwohin kutschiert zu werden. Stattdessen gab es die Möglichkeit im Kellerraum des Hotels durch Max Raskin alles über ADELI-Therapie zu erfahren. Diese Art der Rehabilitation ist eine höchst intensive, sehr individuelle neurologische Therapieform für Patienten mit neurologischen Bewegungsschwierigkeiten. Unter www.adeli-method.com kann alles nachgelesen werden. ADELI hatte seinen Ursprung in der Russischen Raumfahrt und ist für traumatisch Hirnverletzte, cerebral Verletzte … – „Vom All zur Medizin!“

Im ADELI-ReHa-Zentrum von Bad Piestani, in der Slowakei         140 km von Wien entfernt, bekommt jeder Patient intensive neurologische Therapien: täglich 4 bis 5 Stunden an 6 Tagen in der Woche, 2 bis 4 Wochen lang.  Ein, maximal zwei Jahre nach der Hirnverletzung durchgeführtes Training, hat den größten Erfolg. Aber auch ein gelähmter Patient hat 14 Jahre nach seinem Autounfall durch ADELI wieder laufen gelernt. Die sehr hohe Erfolgsquote liegt bei 98 % der Patienten, die wieder gehen gelernt hatten. Die Kosten sind zwischen € 3.500,- bis € 7.000,-.

Gegen Mittag wurden wir mit unserem Bus in die Stadt zum Sight-Seeing gefahren. Wir konnten im Bus sitzen bleiben und Niki erklärte uns ausführlich alle wichtigen Sehenswürdigkeiten am Ring: Uni für  angewandte Kunst, Stadtpark mit Johann-Strauss-Statue, Schwarzenbergplatz, Hotel Imperial, Kärntner Strasse mit Hotel Sacher hinter Staatsoper, J. W. Goethe-Statue, Burggarten mit Mozart-Statue, Heldenplatz, Kunst- und Naturhistorisches Museum, Volksgarten,  Parlament mit der griechischen Weisheitsgöttin Pallas Athene davor, Burgtheater, Rathaus, Universität, Votivkirche, Börse, der ältesten Kirche von St. Ruprecht, Donaukanal mit Badeschiff. Schließlich bog der Bus ins Zentrum ab und ließ uns beim Stephansdom aussteigen. Alma war während dieser Fahrt mit dem Übersetzen in die slowenische Sprache beschäftigt, während Niki alles auf Englisch und Französisch erklärte.

Jetzt hatten alle ETCD-Teilnehmer die Möglichkeit, Wien selbst zu erkunden. Urban und ich hatten das Grab von Falco auf dem Wiener Zentralfriedhof besucht. Dieser Friedhof ist 25 Quadratkilometer groß = 5×5 km, hat ca. 100.000 Gräber  und wir fanden nach dem Tipp von Christine den richtigen Eingang: Tor 3. Von dort mussten wir mehrmals nach Falcos Grab fragen, denn jeder schickte uns in eine andere Richtung. Aber schließlich waren wir doch  erfolgreich und fanden es am Ehrenhain. Danach mussten wir zum Abendessen wieder zurück ins Hotel. Der Zentralfriedhof-Besuch war für uns doch zu einem kleinen Marathon geworden und hatte sehr lange gedauert. Klar, dass wir auch nach diesen ausgiebigen Wien-Erlebnissen ein gutes Abendessen und danach ein Bett zum Ausschlafen/Erholen brauchten.

Sonntag, 10. Mai 2009

Heute stand das Museum im Oberen Belvedere auf dem Programm. Bilder von den  weltbekannten Künstlern wie Klimt, Schiele, Kokoschka … waren zu sehen. Wirklich eindrucksvoll! Sogar Urban hatte das Bild eines Schweizer Malers (Hodler) entdeckt. Am meisten Freude hatten viele von uns, als wir die witzigen Gesichter vom Arzt Franz Xaver Messerschmidt (1736-1786) anschauten. Sie sahen richtig ulkig aus.

Ganz so ulkig fand eine Spanische Teilnehmerin den Besuch im Belvedere nicht, denn ihr wurde aus der Handtasche die Geldtasche gestohlen. Nicht nur Geld, sondern auch die Flugtickets waren leider weg. Langfinger machen eben nicht einmal vor Behinderten und deren Angehörigen Halt. Der Diebstahl wurde aber bei der Polizei gemeldet und so konnten sie den Heimflug trotzdem antreten. Für die Teilnahmegebühr hatten sie ohnehin zu viel bezahlt und bekamen das Geld jetzt bar zurück.

Das Beste passierte aber auf dem Weg im Garten des Belvedere. Die Britische Teilnehmerin im elektrischen Rollstuhl fuhr mit ihrem Rolli direkt neben uns. Plötzlich fuhr sie in die angrenzende Wiese!? Sie war doch prompt eingeschlafen. Durch den heftigen Holperer beim Befahren der Wiese ist sie natürlich gleich wieder aufgewacht. Sie erklärte uns, dass sie im Hotel in der letzten Nacht einfach nicht schlafen konnte.

Den Nachmittag verbrachten wir im Wiener Wurstelprater. Zuerst wurde wer wollte von Niki zu einer Fahrt im Riesenrad eingeladen Dann durfte jeder selbständig seine Zeit vertreiben, wo auch immer man wollte: Geisterbahn, Autodrom, Achterbahn … Der Prater war bummvoll! Vielleicht lag es daran, dass Muttertag war und viele Wiener bei dem schönen Wetter ihre Mütter in den Prater ausführten!?

Abends waren wir dann alle vom Wiener Bürgermeister Dr. Michael Häupl in den Wappensaal des Wiener Rathauses geladen. Dr. Claudia Laschan vom Gemeinderat und Marianne Klicka vom Gesundheitsmagistrat begrüßten uns herzlich. Dann wurden wir noch von einem riesigen Buffet überrascht. Es gab unter anderem Spinatstrudel, Kartoffelpüree, Salate, Rohkost mit Dips, belegte Brote, Fleischschnitten, Poulet, Kuchen, natürlich auch Getränke und vieles mehr. Die Stadt Wien sorgte sich ausgiebig um unser Wohlbefinden!

Danach ging es ins Hotel zu unserer letzten Übernachtung.

Montag, 11. Mai 2009

Nachdem wir uns alle nett und ausführlich in der Hoffnung uns bald einmal wiederzusehen verabschiedet hatten, starteten wir vom Hotel Lenas Donau unsere Heimreise. Wir hatten für unseren Zug noch viel Zeit und latschten zu Fuß Richtung U-Bahnstation „Alte Donau“. Urban saß im Rollstuhl mit unserem Koffer und dem Beautycase auf den Knien. Ich schob. Das Strassenbahnfahren mit einem Rolli und Gepäck ist eben doch ein wenig komplizierter. Zuerst bestiegen wir die U-Bahnstation auf der falschen Seite. Wir fuhren wieder hinunter und wollten auf der anderen Seite wieder hoch. Allerdings war auf dem Lift die Aufschrift „Aufzug defekt“ angebracht. Da wir es nicht geschafft hätten, die lange und steile Treppe mit dem Gepäck und Rolli hochzukraxeln, blickten wir uns verzweifelt um. Es kam eine Wienerin zu uns und fragte nach unserem Problem. Sie gab uns den Tipp, die U-Bahn eine Station in die entgegengesetzte Richtung nach Kagran zufahren, um dort umzusteigen und in Richtung Reumannplatz zu fahren.  Darauf hätten wir eigentlich auch selber kommen können, aber eben … Gesagt, getan. Wohl oder übel nahmen wir den Tipp dankend an und so erreichten wir den Westbahnhof pünktlich sowie unfallfrei. Dort  wurden wir von zwei Männern der ÖBB beim Einsteigen in den Zug, im richtigen Abteil unterstützt. Klar, für unser Gepäck und den Rolli brauchte es „starke Männer“. Schlussendlich sassen wir im richtigen Zug, im korrekten Abteil in Richtung Heimat.

Urban ging wieder ein kleines Stück zu Fuss und ich sagte ihm „Heb´ Di fescht“, worauf er mir antwortete: „Goht scho!“ = „Geht schon!“ Dann fuhr der Zug los und Urban kippte wieder einmal um. Er konnte sich aber noch in letzter Sekunde an einer Stange festhalten, um nicht wieder mit der Nase am Boden zu liegen. Abends sind wir dann ohne Umsteigen wieder glücklich im Ländle, in Bregenz angekommen und wurden dort schon von zwei beim Aussteigen hilfsbereiten Männern erwartet. Urban wurde sogar bis direkt vor seinen PKW geschoben. Sein VW stand noch immer am Behindertenparkplatz. Gut, dass ich den verantwortlichen ehemaligen Arbeitskollegen der Bregenzer Polizei vorher gefragt und informiert hatte, dass ein Schweizer PKW fünf (!) Tage auf diesem Parkplatz stehen wird. 

Die ETCD 2009 in Wien war super!

Danke an Christine, Sigrid, Hilde, Otto und Niki,

Ihr habt alles wirklich ganz toll gemacht!!!

Frankreich 2005

4. Europäische Trauma Versammlung

Saint Brieuc in der Bretagne (Frankreich)

vom 5. bis 11. Juni 2005

Teilnehmer: Frankreich 90, Spanien 10, Irland 7, Slowenien 8, Schweden 2, Schweiz 10, Deutschland 2, Großbritannien 10, Belgien 10, Dänemark 10 + Österreich 10:            

Sigrid Kundela (Leiterin aus Wien)
Rosa Schlegel (Seekirchen, S)
Katrin Schmidseder (Betreuerin von Richi)
Gerti + Uschi Wolfram (Staatz, NÖ)
Gerhard Bürscher (Graz)
Alexander Fink (Graz)
Richi Kierein (Rollifahrer aus Wien)
Wasja Petrovic (Wien)
Peter Wender (Graz)

Eine Reise nach Frankreich – und zurück

Sonntag, 5. Juni 2005

Also aufgestanden bin ich noch ziemlich entspannt und als ich dann im Flugzeug saß, ging es mir eigentlich auch noch relativ gut. Aber … als wir aufstiegen, war mir nicht mehr ganz gut. Mir war die ganze Flugzeit über schlecht. Vom Bauch her war es ein komisches Gefühl. Über den Wolken war es dann zwar relativ ruhig, aber am Anfang und am Ende hat das Flugzeug schon sehr gewackelt. Wir flogen mit Air France und deshalb sprachen die Stewardessen auch kein Wort Deutsch, sondern alle so „Franz-lisch“ = Mischung aus Französisch und Englisch. Außerdem sind wir, meine Mutter und ich, das erste Mal geflogen und das war natürlich eine neue Erfahrung für uns.

Ich war so froh, als wir in Paris endlich aus dem Flieger aussteigen konnten. Leider mussten wir gleich wieder in einen rasant fahrenden Bus einsteigen – was mir auch nicht so gut gefiel. Beim Flughafengebäude angekommen, gingen wir eine Kleinigkeit essen, bis wir dann um 18.24 Uhr mit dem T.G.V.-Zug nach Rennes fuhren. Ich saß im Zug, schrieb im Tagebuch und wunderte mich, dass das überhaupt möglich war. Es ging mir schon wieder halbwegs gut und ich fühlte mich etwas wohler. Die Bahn fuhr total ruhig und angenehm. Man sah nur leider nicht viel von der Außenwelt, da wir sehr schnell weiterkamen – so ungefähr 200 km/h, sagte Sigrid. Mir kam es aber langsamer vor. Der Zug war viel geräumiger als das Flugzeug, an das ich mich gar nicht zurückerinnern wollte.

Meine Mutti döste neben mir, irgendwie muss man sich die Zugfahrt ja vertreiben, nicht wahr? Sigrid, Wasja und Gerhard hörte ich neben mir reden und Katrin, die Betreuerin von Rollifahrer Richi schlief. Rosi, Alex und Peter genossen das bisschen Aussicht, das man sehen konnte. Ich legte mich schließlich auch noch eine Weile aufs Ohr, um mich von den Strapazen zur erholen

Nach drei Stunden Zugfahrt kamen wir um 21.25 Uhr in Rennes an, wo die Franzosen schon beim Zug auf uns warteten. Sie führten uns zu zwei ganz tollen, behindertengerechten, kleinen Bussen, mit denen wir dann noch Saint Brieuc fuhren. Davon bekam ich aber gar nichts mit, da ich die meiste Zeit schlief.

Um Mitternacht kamen wir hundemüde endlich bei unserem Ziel an. Nach einem Nachtmahl fielen wir todmüde ins Bett. Der morgige Tag würde nicht so stressig werden und darum schliefen wir uns aus.

Montag, 6. Juni 2005

Ich wachte so etwa um 7.00 Uhr von selbst auf. Als wir alle fertig angezogen waren und Frühstück essen gingen, waren wir alle so halbwegs ausgeschlafen.

Am Vormittag stand nur die Vorstellung und die Eintragung zu den ausgewählten Sportarten am Nachmittag am Programm. Angeboten wurden: Golf, Tauchen, Reiten, Dart, Bogenschießen und das Bilden von Skulpturen, die dann bei der Abschlussfeier vorgestellt wurden. Gerhard wollte reiten, nur musste seine Gruppe wegen beginnendem Regen wieder zurückfahren, bevor sie die Pferde besteigen konnten. Peter probierte Dart schießen. Katrin und Richi wollten ihn begleiten, nur war Richi so müde, dass er sich lieber noch einmal niederlegte. Neben Sigrid, Rose, Alex und Wasja probierten auch meine Mutti Gerti und ich Golf aus. Nur der Golfplatz lag etwas weiter von unserer Jugendherberge entfernt und so fuhren wir ca. 45 Minuten mit dem Autobus.

Die Golfprofis waren aber sehr nett, konnten zwar nur französisch, doch ab diesem Zeitpunkt hatten wir eine junge Französin namens Alice dabei. Sie konnte fließend deutsch und auch etwas englisch sprechen. Juhu! Das gibt´s ja gar nicht!

Wir spielten, wegen der Menge in zwei Gruppen geteilt, Golf – richtiges Golf und ein Loch schaffte ich sogar ganz alleine mit fünf Schlägen. Die hilfreichen Golfdamen freuten sich alle sehr, dass ich so begeistert war, wenn ich ins Loch traf. Natürlich freuten sie sich auch mit den anderen. Als das Spiel vorbei war, gab es noch Kuchen, Kaffee und Saft. Die selbstgemachten Kuchen waren sehr gut und so aßen wir alle etwas mehr.

Dann fuhren wir in Richtung Rathaus, wo wir uns unter ein kleines Zelt oder bei Nieselregen ins Freie stellen „durften“ und offiziell vom Bürgermeister der Stadt Saint Brieuc begrüßt wurden. Wir verstanden leider nur wenig, da fünf Minuten französische Ansprache nur eine knappe Minute englischer Übersetzung entsprach.

Ich weiß nicht, was man dazu sagen soll: Das Gute beziehungsweise Schlechte daran war, dass man sich nach dieser Rede sich wieder bei einem Büffet den Bauch voll stopfen konnte. Natürlich ließen wir uns dieses Angebot nicht entgehen …

Zurück in unserem Quartier, bekamen wir zum Abendmahl einen Heringssalat mit gekochten Erdäpfeln. Das war gut, aber anscheinend nicht genug … denn danach gab es noch Fleisch mit Nudeln, was allerdings auch nicht zu verachten war … Wir kosteten uns überall durch und zum Abschluss schlemmten wir noch ein Eis, bei dem wir wunderschöne Musik von einem französischen Chor hörten.

Es war ein wunderschöner Abend und wir gingen bald schlafen, um Kraft für den bestimmt wieder interessanten nächsten Tag zu sammeln.

Dienstag, 7. Juni 2005

Um 7.30 Uhr standen wir auf. Da Alex und Gerhard im selben Hausteil fast neben uns schliefen, weckte Sigrid die beiden Burschen täglich sicherheitshalber auf. Peter, Richi und Wasja wohnten am anderen Ende der Anlage in einem viel schöneren Zimmer mit eigener Dusche und hatten einen eigenen Wecker. Wir fünf Damen schliefen gemeinsam in einem Raum mit nur sehr begrenzter Waschgelegenheit. 

Beim Frühstück gab es, so wie jeden Tag, Müsli mit Milch und aus den großen Glasschalen sollten wir auch gleich Kaffee, Tee oder Kakao trinken. Nein, das ging wirklich nicht und so holte ich mir eine Tasse, die man sich laut Franzosen, nicht nehmen durfte. Dann gab es noch ein Baguette, Butter, Marmelade und sogar einen Orangensaft.

Um 9.30 Uhr fuhren wir mit Bus Nummer 2, der unter anderem für uns Österreicher bestimmt war, ans Meer, wo es wunderschön war. Am Vortag mussten wir uns für eine Sportart an diesem Tag eintragen. Zum Segeln hatten sich Rosa, Katrin, Richi, Peter und Alex entschieden. Das Kajakfahren ließen wir aus und zum Drachensteigen meldeten sich Sigrid, Wasja und Gerhard. Auch meine Mutti und ich entschieden uns für die sicher einfachste Sportart. Leider waren wir aber nicht aufmerksam genug und verpassten die Weiterfahrt zum Strand der Drachensteiger. Wir wurden aber dann noch rechtzeitig zu diesem Gelände nachgebracht und sahen die Drachen bereits steigen. Das waren aber Drachen, die man mit zwei Händen steuern musste. Mir half eine ganz nette Französin, da ich wegen meiner Spastik nur eine Hand bewegen kann. Wir ließen den Drachen richtig lange und oft steigen. Es war urschön dort, so einen richtigen Strand hatte ich nämlich seit meiner Kindheit nie mehr gesehen.

Als wir um 12.30 Uhr Schluss machten und zurück zum Hafen fuhren, bekamen wir etwas zu essen. Unsere Gastgeber hatten sich sehr viel Mühe gemacht und am Parkplatz sogar ein großes Zelt mit Tischen und Sesseln aufgebaut. Dort war ein kaltes aber sehr vielseitiges Büffet für uns vorbereitet.

Am Nachmittag hatten wir uns eigentlich für Segeln eingetragen, doch Mutti und ich wollten nicht und deshalb machten wir mit Sigrid, Alex und Peter einen Spaziergang. Wir fanden einen Souvenirladen, wo wir uns ein wenig aufwärmen konnten und ein paar Kleinigkeiten kauften. Rosa, Katrin, Richi und Gerhard gingen sehr wohl zum Segeln. Rosa sogar schon zum zweiten Mal, denn es hatte ihr am Vormittag so gut gefallen. Der Rest von uns hatte vom Strand aus zugeschaut, wie mühevoll unsere Gastgeber die segelwilligen Leute betreuten. Die etwas schwerer Behinderten, so wie Richi, wurden sogar über die steile, wackelige Treppe hinunter zu den Booten getragen. Berührend …

Naja, ich war vom Segeln nicht überzeugt, darum ließ ich es auch bleiben. Stattdessen saßen wir in einem Café am Hafens und tranken gemütlich Kaffee oder Kakao.

Die Heimfahrt war nicht so rasant wie am Vortag, sondern ruhig und angenehm. Daheim gab es dann „nur“ ein Paar kleine Würsteln vom Grill und ein bisschen Obst mit Käse. Naja, zu viel Essen ist sowieso nicht gesund. Dafür gab es danach noch einen französischen Film über die Segelfahrt in 50 Tagen um die Welt. Wir gingen dann rechtzeitig schlafen, obwohl wir feststellten, dass es um 22.30 Uhr noch immer taghell war. – Der Tag war schön!

Mittwoch, 8. Juni 2005

Wir standen schon um 7.00 Uhr auf und gingen gleich Frühstück essen, da wir um 9.00 Uhr nach Brest zum Oceanopolis fuhren.

Das Oceanopolis ist wundervoll!!! Schade, dass wir uns aus Zeitgründen nicht alles anschauen konnten. Überhaupt hatten wir ein leichtes Durcheinander, weil wir uns nach Sprachen in Gruppen aufteilen sollten und das war für über 170 Leute nicht so einfach. Wir zehn Österreicher, die deutschsprachigen Schweizer sowie die beiden Deutschen Kirstin und Renke Theilen bekamen Petra Prönnicke als Führerin. Sie kommt aus Hannover und kann natürlich perfekt Deutsch.

Das Oceanopolis ist ein Themenpark der Ozeane, der in drei Bereiche eingeteilt ist: Polargebiet, Tropen und gemäßigtes Klima, wie rund um die Bretagne. Die Füherin zeigte uns Aquarien mit außergewöhnlichen Fischen, die im Meer um die Bretagne vorkommen und sie erklärte uns alles ganz genau. Dabei lernten wir sogar den Kuckuckslipfisch kennen, der immer als Weibchen geboren wird und sich im Laufe seines Lebens zu einem Männchen umwandelt. Ist ja ganz schön ulkig, dachte ich mir.

Danach gingen wir noch ins Antarktische Museum, in dem wir uns einen Film, der über mindestens sieben Leinwände ausgedehnt war, anschauen konnten und das war sehr interessant. Man sah dort, wie Pinguine sich ernähren und Robben überleben. Es war zum Staunen. Ich hatte, glaube ich, die ganze Zeit den Mund offen, weil es mir so gut gefiel. Das antarktische Klima und das nahegelegene Meer rund um die Bretagne gefielen mir unter Wasser sehr gut. Auch einige Haie waren dabei, eine Art, die allerdings nicht gefährlich für uns Menschen sein sollten

Das exquisite Mittagessen wurde uns im Restaurant des Oceanopolis serviert. Am Anfang gab es ein „Langusterl“, was ich verschmähte – genau so wenig probierte Sigrid diese Vorspeise aus, weil sie Fische und Meerestiere überhaupt nicht mag. Den anderen schmeckte es allerdings sehr gut. Im Anschluss an das dreigängige Menü gab es noch einige Reden und Ansprachen. Aus zeitlichen Gründen mussten wir auf das tropische Meer verzichten und kauften nur mehr in der Souvenirabteilung einige Sachen ein und trafen uns um     16.00 Uhr beim Bus.

Leider konnten wir uns die Kirche, deren Besichtigung im Programm eigentlich vorgesehen war, nicht mehr anschauen. Dafür machten wir bei der Rückfahrt noch bei einem Souvenirladen halt und kauften noch ein paar Sachen ein. Sigrid kaufte noch eine Schachtel Kekse, die sie dann bei den Diavorträgen anbieten wollte.

Nach der Heimfahrt von gut zwei Stunden, gab es wieder essen. Danach fuhren wir in die Stadt zu dem Theaterstück „Der bizarre Reiter“. Mutti meinte, dass es sehr schön war. Es waren ausschließlich behinderte Leute mit zwei Therapeutinnen, die das Stück vorführten und ein Jahr zum Einstudieren gebraucht hatten. Die Vorstellung handelte von alten Menschen, die in einem Alterheim vergessen wurden. Dann hatten sie den Tod gesehen und sich gefreut, als der Tod wieder verschwand.

Donnerstag, 9. Juni 2005

Wir standen heute früher auf, da wir um 9.00 Uhr schon im Bus sitzen sollten. Wir fuhren nach Tregastel um von dort mit einem Schiff die sieben Inseln zu besichtigen. Leider wurden meiner Mutter und mir dabei so schlecht, dass ich eigentlich die meiste Zeit die Augen zu hatte. Man zeigte uns Vögel mit dem Namen Basstölpel, von denen 100.000 auf einer Insel saßen, sodass es wie ein weißer Teppich aus der Ferne aussah. Auch Robben sahen einige Leute, doch ich nicht … Ebenfalls bewundern konnten wir die Villa vom deutschen Komödianten Didi Hallervorden, die mitten in die steinigen Inseln hineingebaut wurde. Dann fuhren wir noch zu den rosa Granitblöcken, die aus dem Meer herausragen. Froh war ich aber, als wir wieder im Hafen waren und festen Boden unter den Füßen hatten.

Anschließend fuhren wir mit dem Bus gleich weiter, zu einem sehr schönen Ort an der Küste, wo wir ein Picknick machten. Dort war es einfach himmlisch, die rosa Granitblöcke, das Meer, der Sand … einfach zum Träumen. Ich suchte mir ein paar Muscheln und war richtig glücklich. Auch Peter war überaus begeistert, denn er war früher ein Segler und hatte daher die Bootsfahrt deswegen so richtig genossen – genau das Gegenteil von Mutti + mir.

Als wir heimkamen, hatten wir gerade so viel Zeit, um uns umzuziehen und wieder hinunter zum Bus zu gehen. Dann fuhren wir zu einem Kongresscenter, in dem wir herzlich begrüßt und uns allen gedankt wurde. Es gab einen Aperitif, bei dem wir so etwas ähnliches wie Champagner bekamen. Natürlich wurde auch Orangensaft angeboten, der mir sehr gut schmeckte. Bin ich froh, dass unsere Dolmetscherin Alice bei uns war. Sie erklärte uns, was bei den Reden alles gemeint war. Anschließend gar es ein Menü, mit gesunden Sachen und wieder Wein zum Trinken.

Eine bretonische Tanzgruppe war ebenfalls anwesend, mit allen verschiedenen Trachten, die es in den letzten Jahrhunderten gegeben hatte – alles in schwarz! Wir tanzten dann alle zusammen – ich auch – und es war ein richtig schönes Fest. Gerhard war bei dieser Musik ganz in seinem Element und tanzte, was das Zeug hielt. Nach Mitternacht kamen wir wieder in der Jugendherberge an und wir fielen todmüde ins Bett. Toll, dass wir uns wirklich ausschlafen konnten … uaaah, gute Nacht, Licht aus!

Freitag, 10. Juni 2005

Wir standen erst um 8.00 Uhr auf und es war richtig angenehm. Alice hatte diese Nacht bei uns im Zimmer geschlafen, was uns aber gar nicht störte. Diesen Tag hatten wir fast alleine in Frankreich verbracht, da die Franzosen das Treffen kurz vor Beginn um einen Tag verkürzt, wir die Flugtickets aber schon zuvor gekauft hatten. Die anderen Leute fuhren schon  heim und wir hatten uns bei vielen persönlich verabschiedet.

Wir verbrachten den letzten Tag eher locker, aßen in der Herberge zu Mittag und hatten dann vor, für drei Stunden in das Stadtzentrum zu fahren. Dort wollten wir uns ein bisschen mit Alice amüsieren und vielleicht auch in ein Café gehen. Ein typisch bretonisches Haus wollte ich auch noch fotografieren. Mal schauen, was wir noch alles kennen lernen werden …

Tja so wie ich mir das vorgestellt hatte, lief es dann aber doch nicht ab: Ich zeigte Peter und Alex um 10.00 Uhr den Affenbrotbaum, den ich bei uns in Österreich noch nie gesehen hatte. Da mir kalt war, riet mir Mutti, zum Aufwärmen eine Runde um den Häuserblock  zu laufen und so tat ich es dann auch. Nur leider stolperte ich und fiel nieder. Patrick, der Betreuer in der Jugenherberge, und ein zweiter Mann setzten mich in einen Rollstuhl. Als die offenen Wunden versorgt waren, wollten wir ein bisschen Minigolf spielen gehen, da bei der Jugendherberge eine Anlage angeschlossen war. Mich fuhr man mit dem Rolli, denn selbständig gehen war nicht mehr möglich

Wir gingen zurück ins Haus und ein Betreuer des internationalen Treffens organisierte uns eine Fahrt ins Krankenhaus. Alice fuhr als Dolmetscherin mit und die Krankenschwester Marie Helene, die etwas Englisch konnte. Dort angekommen, behandelte mich sofort ein sehr freundlicher Arzt, der jedoch kein Wort Englisch sprach. Als das Röntgen fertig war und man sah, dass kein Knochen gebrochen war, bekam ich eine Gipsschiene, die fest umwickelt wurde und mein Bein stützte. Heim ging es mit einer Rettung.

Während sich Richi betreut von Katrin auch in der Herberge seiner Überanstrengung erholte, war der Rest von uns Österreichern bei einer Shoppingrunde in der Stadt Saint Brieuc. Als sie zurückkamen, begrüßten sie mich alle ganz lieb und kümmerten sich um mich. Die Herren unserer Gruppe brachten mir sogar Rosen. Lieb, nicht wahr?

Samstag, 11. Juni 2005

An dieser Tag traten wir unsere Heimfahrt mit dem Bus nach Rennes an, um von dort wieder mit dem T.G.V.-Zug nach Paris zu fahren.            Im Zug bekamen Mutti und ich auf Grund meiner Verletzung zwei Sitzplätze erster Klasse zugeteilt, der acht Waggons von den anderen entfernt war. Übrigens den Rolli hatten mir die Franzosen geschenkt – als Souvenir meinten sie!

In Paris angekommen, teilte man mir am Flughafen mit, dass ich wegen Thrombosegefährdung nicht mit dem gebuchten AUA-Flugzeug mitfliegen konnte. Der restliche Teil unserer Gruppe konnte planmäßig um 19.15 Uhr zurückfliegen. Glücklicherweise konnten wir dann mit der nächsten Maschine mitfliegen. In diesem AUA-Flugzeug waren wir dann froh, dass alle Leute wieder deutsch sprachen.

In Wien angekommen, warteten Vati und mein Bruder Mario schon auf uns und brachten uns sicher nach Hause nach Staatz (NÖ) und es war herrlich, dass ich um 1.00 Uhr früh mit meiner Katze unterm Arm in wenigen Minuten einschließ. „Bon nuit“, hätte man sich in Frankreich eine gute Nacht gewünscht.

Uschi Wolfram

mit Ergänzungen von Sigrid Kundela

PS: Bestimmt möchtet ihr wissen, wie es mit meinem Bein weiterging. Im Spital in Mistelbach wurde ich vom freundlicher Arzt, Dr. Manfred Reisinger, zwei Mal punktiert, das heißt: Der Arzt stach eine Nadel in das verletzte Knie und saugte das Blut, das sich dort gesammelt hatte ab. Da kam aber eine Menge Blut heraus.

Mir hat die Reise trotzdem sehr gut gefallen und ich hatte neue Erfahrungen, Eindrücke und viele nette, hilfsbereite Menschen kennen gelernt. Für mich war es eine schöne Woche …

Uschi

Und so hat es den Teilnehmern gefallen:

Rosa: Das Meer immer in Bewegung, wie das Leben.

Uschi: Trotz eines kleinen Hoppalas am Ende des Treffens werde ich die Reise nach Frankreich in guter Erinnerung behalten.

Gerti: Habe viele schöne Eindrücke und Erfahrungen aus der Bretagne mitgenommen.

Katrin: Obwohl dem Gastgeber keine Mühe zu groß war, hat mich die ganze Woche etwas überanstrengt.

Richi: Am schönsten war die Fahrt im Segelboot.

Peter: Eine großartige Woche in der ich tolle Leute kennen gelernt habe.

Gerhard: Mittlerweile weiß ich, dass man auch mit Unannehmlichkeiten zurecht kommen kann.

Alex: Weite Wege muss man gehen.

Wasja: Eines sage ich ganz ehrlich, die Reise war wirklich herrlich.

Sigrid: So viele Jahre nach der Schulzeit konnte ich mich mit meinem immer schon mangelhaften Französischkenntnissen doch noch verständlich machen.

Spanien 2004

Madrid und Toledo (Spanien) 2004

European Trauma Cultural Days 3
vom 15. bis 19. September 2004

Logbuch vom Teilnehmer
Gerald Knezicek

Programm

Mittwoch, 15. September 2004
Flug mit Spanair von Wien nach Madrid
Willkommensfeier mit Vorstellung des Terminkalenders

Donnerstag, 16. September 2004
Busfahrt durch die Altstadt von Madird
Besichtigung des königlichen Schlosses
Empfang im Arbeits- und Sozialministerium
Besuch im „Real Madrid“ Fußball Stadion

Freitag, 17. September 2004
Tagesausflug nach Toledo

Samstag, 18. September 2004
Prado-Museum
Pferde- und Flamenco-show

Sonntag, 19. September 2004
Rückflug nach Wien

Das internationale Trauma-Kultur Treffen

Mittwoch, 15. September 2004
Wow, das ging aber jetzt Schlag auf Schlag!

7.00 Uhr morgens bin ich heute im Schock erwacht. „Mein Flug, mein Flug nach Madrid.“ Dann waschen, Frühstück, Gepäckskontrolle, schon sitze ich am Bahnsteig 5 in Floridsdorf und warte auf die S 7 zum Flughafen Wien/Schwechat. Dort soll ich mit den anderen Reisenden der SHG-SHT zusammentreffen.

11.00 Uhr ich treffe sehr früh am Flughafen ein. Nachdem mich den genauen Treffpunkt lokalisierte und die Zeit kontrolliert habe, setze ich mich zu einem Jumbo-weckerl und einer Wiener Melange ins „Airrest“.

11.45 Uhr die Teilnehmer der SHG-SHT aus Wien und Graz treffen schnell zusammen. Diese waren Gerhard Bürscher, Alexander Fink, Gerald Knezicek, Andreas und Maria Kvarda, Wasja Petrovic, Rosa Schlegel, Cornel Vacariu und die Gruppenleiterin Sigrid Kundela. Wir checkten leicht nervös ein. Besonders Gerhard ist nervös. Er kann sein Ticket nicht mehr finden.

13.20 Uhr startet unsere Boing 717 nach Madrid. Wir fliegen durch dichte Bewölkung und landeten nach nur geringen Kurskorrekturen durch den erfahrenen Piloten um etwa

16.00 Uhr am Flughafen Madrid. Sofort sprinten Cornel und ich aus dem Flugzeug und durch die Gänge des Airports. Nach einem kurzen Irrlauf treffen wir auf den Rest der Mannschaft und wir führen sie zur Gepäcksübergabe. Cornel bekommt sein Messer in einem Kuvert wieder, welches er vor dem Flug abgeben musste. Langsam klaubt der Rest der Truppe das Gepäck vom Band.

Bis 18.00 Uhr sollen wir uns noch wegen eines Missverständnisses am Flughafen Madrid aufhalten. Andere Teilnehmer dieses Treffens, auf die wir warten wollen, sind bereits ohne es uns mitzuteilen in den Reisebus gestiegen. Sigrid ist glücklich Ana Gonzalez Sanchez Lara zu sehen. Die Leiterin der Veranstaltung kennt Sigrid, Wasja, Alex, Gerhard und Rosa noch vom letzten Treffen vergangenes Jahr in Wien.

Der Reisebus führt uns dann geschlossen in das Hotel „Hesperia Getafe“. Mit stiller Begeisterung beziehen wir unsere Luxuszimmer. Nach einer offiziellen Begrüßung in englisch und spanisch, stürzen wir uns um 21.00 Uhr auf einen traumhaften Lachs als Dinner. Als Nachspeise gibt es kandierte Birnenhälften.

Jetzt ist es 23.00 Uhr und ich beende meine Schreiberei und schließe diesen ersten, perfekten Tag mit einem Bier ab.

„Quiero una cerveza, por favor!“
(Ich bekomme ein Bier, bitte!)

Donnerstag, 16. September 2004

6.30 Uhr ein Reisewecker läutet mich aus meinem tiefen Schlaf. Cornel, von uns „Colonel“ genannt, mit dem ich das Zimmer teile, wieselt ins Badezimmer. Eine halbe Stunde später bin ich dran. Dusche, Zähneputzen, Kämmen.

8.30 Uhr das Frühstücksbuffet beginnt. Jeder will die besten Stücke ergattern, bald sind wir fertig.

9.00 Uhr Abfahrt mit Bus Nr. 1 nach Central Madrid. Nach einer kurzen Rundfahrt durch die Altstadt von Madrid erreichen wir den Royal Palace, das königliche Schloss. Wir sehen bei einer Führung durch die barocken Mauern Bilder und Designs aus dem Rokkoko. Wir erstarren in Ehrfurcht vor Stradivari Violinen und Violoncellos.

14.00 Uhr wir treffen im Arbeits- und Sozialministerium ein, in freudiger Erwartung eines Cocktailempfangs … Wir müssen aber noch einige gute, aber lange Reden über uns ergehen lassen. Endlich werden wir mit Getränken und köstlichen Snacks verwöhnt.

Nach einer kurzen Pause am Plaza Mayor bei „Churros con Chocolatta“ im spanischen Café marschieren wir zwischen 17.00 und 18.00 Uhr auf und ab im 85.000 Zuschauer fassenden Real-Madrid-Fussball-Stadion (real = königlich).

Völlig erschöpft, nehmen wir um 18.30 Uhr die Heimfahrt in Bus Nr. 1 in Angriff. Ausgehungert und mit wieder knurrendem Magen widmen wir uns um 21.00 Uhr faschierten Laibchen vom Rind und Pommes. Zur Nachspeise gibt´s Ananasscheiben.

Ich trinke um 23.00 Uhr meine Cerveca und schreibe dieses Protokoll.

Buenos noches = Gute Nacht

Freitag, 17. September 2004

6.00 Uhr Tagwache. Nach einer gründlichen Dusche und Haare waschen, komme ich schon um
7.00 Uhr in den Frühstückssaal. Die morgendliche Schlemmerorgie wird um 9.00 Uhr beendet. Der Autobus wartet schon auf uns.

10.00 Uhr wir treffen am Plaza Zocodover in Toledo ein. Die ehemalige Hauptstadt Spaniens ist bekannt durch die einzigartige Messer- und Schwerterproduktion. Unser Programm beginnt mit der Besichtigung der Kathedrale. Weiter geht´s mit dem Besuch des Geburtshauses von El Greco. Dort sehen wir das berühmte Riesengemälde „Beerdigung des Herrn von Orgaz“. Danach marschieren wir quer durch die Stadt. Hinter dem Stadttor verweigern wir aus Erschöpfung jeden weiteren Schritt. Nach  Intervention unserer spanischen Leiter bei der Polizei, bekommen unsere Busse ausnahmsweise die Genehmigung in die Altstadt von Toledo einzufahren.

15.00 Uhr wir genießen ein dreigängiges Menü im „Venta de Aires“. Überrascht, aber voller Hingabe verkosten wir eine kalte Rahmsuppe. Leichter Schinken mit Pommes ist genau das Richtige nach der ausgiebigen Besichtigung. Eine Parardiescreme zum Nachtisch rundet unsere Eindrücke zu Toledo ab. Etwas verstört tauchen wir in zwei Stunden „Leisure time“ (Freizeit) ein. Was sollen wir jetzt tun, fragen wir uns? Natürlich Souvenirs kaufen gehen. Da wir in Toledo sind, erreicht das süße Marzipan und edel geschmiedeter Stahl unser Interesse.

Die letzte halbe Stunde entspannen wir uns im Gastgarten eines Cafés bevor wir um 18.30 Uhr etwas verspätet zum Bus Nr. 1 aufbrechen müssen.

21.00 Uhr wir nehmen,  wie gewohnt, unser Abendessen im Hotel „Hesperia Getave“ ein. Es gibt Pasta und Huhn mit Letscho. Unerwartet gesellt sich die Schweizer Gruppe zu uns. René, der einzige Deutsch und Englisch sprechende Schweizer, nimmt an unserem Tisch Platz. Er wird willkommen geheißen und Sigrid tauscht mit ihm Erfahrungen aus. Nachdem Cornel ihn mit einer spannenden Geschichte 20 Minuten lang fesselt, kann auch er sein nun kaltes Huhn mit Letscho fertig essen. Zum Abschluss gibt es eine fantastische Vanillecreme.

23.10 Uhr ich schließe diese Ergänzung zum heutigen Tag und widme mich meiner „buenos noches cerveca“.

Samstag, 18. September 2004

Der heutige Tag ist nicht mehr dicht gedrängt mit Action.

8.00 Uhr wir genießen ein ausgiebiges Frühstück um dann um

9.00 Uhr mit unserem Bus Nr. 1 mit Ziel Prado-Museum aufzubrechen. Wir lassen die Werke von Raffael und El Greco bis

12.30 Uhr auf uns wirken. Danach besuchen wir das Lokal „Planet Sandwich“. Ein paar Teilnehmer schauen nebenan ins „Planet Hollywood“, wo berühmte Schauspieler Erinnerungsstücke hinterlassen haben.

13.30 Uhr wir fahren wieder zurück in unser Hotel „Hesperia Getave“ und essen um 15.00 Uhr Bärlauchcremesuppe, Huhn mit Pommes und zur Nachspeise verschiedene Joghurts. Bis

18.00 Uhr wird uns Siesta vergönnt. Eine lange Fahrt bringt uns dann um 19.00 Uhr zu den Flamenco tanzenden Pferden nach Las Palmas. Wilde Reiter zeigen uns, wie gut sie ihre Pferde beherrschen und tanzen mit hübschen Damen durch die Halle.

21.00 Uhr wir bekommen auf der Hazienda ein traditionelles, spanisches Dinner. Henrik Ziehrer aus Dänemark und Sigrid nutzen die Gelegenheit und bedanken sich bei den Veranstaltern für die schönen Tage in Spanien.    muchos gracias

22.30 Uhr  die voll Spannung erwartete Flamenco Show beginnt. Zwei spanische Senioritas und zwei Seniores von einer berühmten Tanzgruppe aus Sevilla, zeigen uns quasi im Wettstreit den Ausdruck und die Erotik des klassischen Flamencos. Nach der Vorführung laden uns die TänzerInnen zum Tanz auf der Bühne ein.

24.00 Uhr wir brechen zur Heimfahrt im Bus Nr. 1 auf.

Sonntag, 19. September 2004

Der Tag unserer Abreise. Ohne richtigen Appetit esse ich um 8.00 Uhr Frühstück. Schon eine halbe Stunde vorher habe ich meine Sachen gepackt. Ich will nicht daran denken, dass die ETCD 2004 bald schon Geschichte sein werden.

Abschließend bittet Maria am Flughafen jeden Teilnehmer um einen Satz zu unseren ETCD 2004 in Spanien:

Rosa: Gemeinsam sind wir stark.

Cornel: Diese Tage werden die schönsten Erinnerungen meines Lebens sein.

Wasja: Eine kurze Reise mit unglaublich vielen Erfahrung.

Gerald: Sie nannten uns behindert, aber wir haben ganz besondere Fähigkeiten.

Andreas: Es war zwar ein bisschen anstrengend, aber am Ende ist es gut ausgegangen.

Gerhard: Auch wenn diese Tage noch so facettenreich gewesen sein mögen, so holt mich die Realität schon kurz nach dem Heimatflughafen wieder ein.

Alexander: Einer für alle, alle für einen.

Sigrid: Neun in Spanien sind mehr als Vier in Dänemark, und eigentlich sind in Spanien aus Neun Sechsundachtzig geworden.

Maria: Dank unserer Hirtenhündin Sigrid ist niemand verloren gegangen.

Möge die Straße dir entgegeneilen,
möge der Wind Dir immer im Rücken sein.

Möge die Sonne warm auf Dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft auf Deine Felder fallen

Und bis wir einander wiedersehen
halte Gott Dich im Frieden seiner Hand.

(Irischer Reisesegen)

Österreich 2003

ETCD 2003

European Trauma Cultural Days“ in Wien
vom 18. bis 22. September 2003

Tagebuch von der Teilnehmerin
Uschi Wolfram

mit PS von der Organisatorin
Sigrid Kundela

Donnerstag, 18. September 2003

Wir kamen gut in Wien an und fuhren in Mario´s (PS: Uschi´s Bruder) Wohnung. Dort eingerichtet ging es weiter zum Gästehaus Wien-Brigittenau, das ganz in der Nähe der Wohnung liegt. Gäste aus ganz Europa waren anwesend und wir hatten am Anfang noch einige Schwierigkeiten  mit ihnen zu kommunizieren. Es waren SHT-Betroffene aus Slowenien, Niederlande, Schweden, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Irland und Österreich anwesend und wollten mit uns ein verlängertes Wochenende in Wien verbringen. Wir machten uns alle einmal bekannt und sagten zu den meisten: „Hallo!“ Dann sprach Niki … äh, Herr Dr. Nikolaus Steinhoff einige Worte in englisch. Ich verstand es so halbwegs …

Sigrid hatte natürlich alles bestens organisiert und so gab es auch für jeden von uns eine Wien-Tasche mit ausreichender Information für die nächsten Tage. SUPER!

Zu den Gästen: Es waren manche relativ schwer behindert. Einige konnten zum Beispiel nicht gehen und waren deswegen auf den Rollstuhl angewiesen. Gott sei Dank hatte das Gästehaus einen Lift, der aber, wie uns gesagt wurde, manchmal stecken bleibt.

Die Leute und ihre Betreuer waren an und für sich ganz nett und freundlich. Der Tag war für die meisten anstrengend gewesen, der Flug oder die lange Bahnfahrt waren für viele nicht so einfach und deshalb gingen wir um 22.00 Uhr schlafen.

Freitag, 19. September 2003

Nach der Stärkung mit einem guten Frühstück, dass wir uns gestern noch schnell gekauft hatten, trafen wir uns um 8.30 Uhr beim Gästehaus, um in den Tiergarten Schönbrunn zu fahren. Die Abfahrt verzögerte sich dann ein wenig, denn fast 100 Personen und noch dazu teilweise mit Handikap benötigen doch etwas mehr Zeit, um in einen unserer beiden gemieteten Busse zu gelangen.

Bei strahlendem Sonnenschein im Tiergarten Schönbrunn angekommen, drückte uns Sigrid eine Liste mit verschiedenen Tieren in die Hand, die es zu suchen galt, da uns am Abend noch etwas Besonderes erwarten sollte. Also machten wir uns auf den Weg und bestaunten vorerst die gepflegte Anlage mit den wunderschönen Blumen und Sträuchern. Anna (Dieter´s Mutter) machte für uns die Tiergartenführerin. Besonders gefiel uns der kleine Babyelefant Mongo, wie er bei der Reinigung seine Späße trieb. Die Giraffe, die so scheinbar immer den Überblick hatte, mit ihrer jungen Tochter Elisabeth, begeisterte uns ebenso wie die Äffchen, Pandabären, Wasserschildkröten, Braunbären und Pinguine. Zum Schluss gingen wir noch durch das Regenwaldhaus, in dem wir aber ganz schön ins Schwitzen kamen – bei 80% Luftfeuchtigkeit kein Wunder!

Es war schön und vor allem nicht so anstrengend für mich, da ich meinen Rolli mit hatte, in dem sich aber sonst niemand wirklich hineinsetzen wollte. In Schönbrunn ging jeder wie er wollte und das war auch gut so, denn so brauchte sich niemand etwas dreinreden lassen. Meist blieben jene zusammen, die sich in der selben Sprache verständigen konnten und so gingen wir mit den Steirern (Alex und Gerhard) und mit den Wienern (Anna, Dieter, Wasja und wir) zusammen. Etwas müde trafen wir uns dann gegen 12.45 Uhr vor dem Schloss Schönbrunn.

Im Jugendgästehaus wartete dann schon Ursula Zyma und ihr Team, um uns bei der „Painting Therapy“ zu unterstützen. Ich probierte einen Affen aus Ton und malte dann aber doch lieber mit Wachsmalfarben und Buntstiften weiter. Mit diesem fertig, gönnten wir meine Mutter und ich, uns eine kleine Ruhepause. Doch bereits um 17.00 Uhr hieß es, das Abendessen einzunehmen. Es gab übrigens gebackenen Fisch mit Kartoffelsalat oder Gemüseschnitzel mit gemischtem Salat.

Danach ging es mit dem Bus in Richtung Herz-Jesu-Sühnekirche. Da uns vorher noch etwas Zeit blieb, dirigierte Dr. Steinhoff den Bus auf die Höhenstrasse, wo wir einen wunderschönen Blick über Wien hatten.

Der Höhepunkt des Tages war allerdings wirklich der Abend. „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Seans wurde uns in der wunderschönen Herz-Jesu-Sühnekirche geboten. Es ist eine schöne, moderne Kirche und sie gefiel mir sehr gut. Dann begann „Karneval der Tiere“ und es wurden Bilder vom Besuch im Tiergarten Schönbrunn – von einigen Tieren gezeigt (PS: in deutsch und englisch erklärt) und auf der Orgel von Wolfgang Capek die Tierlaute bzw. Bewegungen nachgespielt. Das Motto dieser Konzertgalerie oder auch Galeriekonzert genannt, war: Augen zum Sehen, Ohren zum Hören und ein Herz zum Empfinden. Mir beliebte am besten der Kuckuck, da man aus dem Orgelspiel richtig das „Kuckuck“ heraushören konnte. Mir gefiel das Ganze sehr gut, da es von Sigrid und ihren Eltern optimal organisiert wurde.

Für den englischen Text suchte Sigrid genau die richtige Person, nämlich Monika Müksch (= Moni). Sie spricht wirklich perfekt Englisch, sagen wir so, lesen kann sie es perfekt, frei reden hörte ich sie leider nicht …

Den Abschluss bildete das „Glockengeläute von Westminster“ von Louis Vierne auch auf der Orgel gespielt. Ich möchte nicht wissen, wie viele Stunden des Übens notwendig waren, um so eine Perfektion an der Orgel zu erreichen, wie sie uns von Capek geboten wurde. – Danke, dass wir das hören durften, es war spitzenmäßig!

Es gab danach noch ein Buffet, bei dem auch alles PERFEKT war. Es gab Brötchen, Süßigkeiten und verschiedene Getränke. Es lief alles fabelhaft und ich glaube, alle hatten eine sehr große Freude an diesem Tag, weil so viele tolle Sachen angeboten wurden. Manche schliefen zwar schon halb bei diesem Vortrag in der Kirche ein, aber das ist halt so. Meine Freundin Moni kommt vielleicht am Sonntag ins Rathaus, wo wir ja unsere selbst gemalten Bilder bewundern können. Werden wir schauen, wie das alles wird!

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den morgigen Tag, denn wir gehen dann ins Zentrum. Leider können wir nicht fahren, da genau morgen ein Inlineskater-Rennen ist und deshalb niemand mit dem Auto beziehungsweise mit dem Bus durch die Innere Stadt kurven darf. Aber ich habe ja meinen Rolli mit und da wird das schon gehen. Ich berichte dann genaueres darüber und am Abend schauen wir uns in der Volksoper „Wiener Blut“ an. Wird bestimmt ein toller Tag!

Samstag, 20. September 2003

Am Programm stand für den heutigen Tag eine Stadtbesichtigung. Um 9.15 Uhr begann unsere Fahrt mit beiden Bussen etwas verspätet, da der zweite Bus nicht pünktlich kam. Es ging den Donaukanal entlang, vorbei an der Rossauer Kaserne, der ältesten Kirche Wien (St. Ruprechtskirche), der Urania und dann weiter den Ring entlang. Otto Kundela machte in unserem Bus den perfekten Wienführer in englischer Sprache. Bravo!

Vorbei ging es weiter an der Oper, dem Parlament, Rathaus, Burgtheater, Universität usw. Die Gäste hörten interessiert den Ausführungen von Otto zu und bestaunten sichtlich die schönen Bauwerke. Der Bus bliebt am Ausgangspunkt unseres Stadtrundganges – am Stephansplatz – stehen. Es war wieder alles wunderbar organisiert, überall waren Helfer mit grünen Fähnchen postiert und wir hatten ja eine genaue Routenbeschreibung – von Sigrid exakt erstellt – erhalten.

Nichts desto trotz gab es erneut kleine Gruppen, denen dies alles nicht genügt hatte und die dann einen persönlichen Begleiter bis zum Bus brauchten.

Ich ging mit Alex, Gerhard, Wasja und meiner Mutter von der Stephanskirche über den Graben, vorbei an der Pestsäule, über den Kohlmarkt zum Michaelerplatz, wobei wir uns an dem Schönen, das die Stadt Wien zu bieten hat, erfreuen konnten. Wasja erinnerte sich auch ganz genau an seine Jugendzeit als Sänger bei den Mozart Sängerknaben und zeigte uns auch die Hofburgkapelle in der es jeden Sonntag eine Darbietung der Wiener Sängerknaben gibt.

Um exakt 12.00 Uhr mussten wir dann zum Bus beim Naturhistorischen Museum gelangen, da der Ring ab dieser Zeit für den Inlineskater-Marathon gesperrt war. Eine junge Dame aus Schweden erzählte uns ganz begeistert, wie gut ihr die Stadt gefällt, obwohl sie gewarnt wurde, dass Wien etwas gefährlich sein sollte, hatte sie absolut nicht den Eindruck davon.

Alle verlorengegangenen Teilnehmer eingesammelt, fuhren wir zum Quartier zurück. Dort angekommen, blieb uns noch ein bisschen Zeit bis zum Beginn der Musiktherapie. Anfangs war ich etwas skeptisch, doch dann war ich ganz begeistert. Uns wurde altorientalische Musik ein wenig näher gebracht. Diese angenehme und entspannende Musik wird auch bei Patienten, die sich noch im Wachkoma befinden, angewendet, da sie sich positiv auf den verletzten Körper und Geist auswirkt. Die netten Musiker, geleitet von Gerhard Bujak, motivierten uns auch mitzusingen und mitzutanzen, also Tanz und Therapie in einem. Im Tanz erkannte ich auch ein paar Übungen, die Muttis Arzt ihr für die Wirbelsäule verordnet hatte. Zum Schluss mussten wir die Augen schließen und konnten uns bei dieser wirklich angenehmen Musik entspannen. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Art von Musiktherapie tatsächlich positiven Einfluss sowohl auf den kranken als auch auf den gesunden Menschen hat.

Danach gab es eine kurze Pause, um sich für den nächsten Punkt, den Besuch in der Volksoper, hübsch zu machen. Um 18.00 Uhr fuhren wir vom Gästehaus Richtung Volksoper. Als wir schon startklar vor dem Bus warteten und nach und nach die Teilnehmer aus dem Haus kamen, war es ganz toll anzusehen, wie sie sich gegenseitig Komplimente über die schöne Garderobe machten.

In der Volksoper: Es ist ein wunderschönes Haus mit rotem Samt ausgelegt. Wir saßen gut, da wir im Parkett über alle hinwegblicken konnten. Dr. Nikolaus Steinhoff sprach einige einleitende Worte an die Theaterbesucher, um diese auch auf Verletzungen mit SHT aufmerksam zu machen und wollte damit auch ihr Herz und das Portemonnaie öffnen. Ich glaube, dass mit dem Portemonnaie gelang nicht so gut …

Es wurde das Stück „Wiener Blut“ mit der Musik von Johann Strauss aufgeführt und es ging dabei um einen Mann, der mehrere Frauen hatte und wie sie dann alle wieder zum richtigen Partner fanden. Ich schlief in der Zwischenzeit ein bisschen auf Nectars Schulter, was mir sehr gut tat, da ich schon sehr müde war. Wir hatten ja auch an diesem Tag einiges gemacht und deshalb fiel ich todmüde ins Bett. Ich träumte von den tollen Balletttänzerinnen, die über die Bühne schwebten und von dem Gesang der Frau und des Mannes … Wiener Blut, Wiener Blut, voller Saft, voller Kraft, voller Glut …

Sonntag, 21. September 2003

I sleep very well und so I stand up at half past eight o´clock … ich bin schon ganz auf die englische Sprache fixiert und rede und denke deshalb nur mehr englisch.

Der Wettergott meinte es wirklich gut mit uns und so begann unser letzter Tag bei strahlendem Sonnenschein mit einem Besuch des Kunsthistorischen Museums. Vorher wurden noch Fotos der ganzen Gruppe vor dem Maria-Theresien-Denkmal gemacht.

Das Museum war sehr interessant, man konnte zwar nur hineinschnuppern, denn all die kostbaren Dinge zu besichtigen hätte wahrscheinlich eine Woche gedauert, dennoch es war zwar kurz aber schön.

Danach bestand der Besuch des Wiener Praters am Programm und wir fuhren glücklich, zufrieden und etwas müde dorthin. PS: In dem Bus, in dem Sigrid das Mikrofon über hatte, lud sie natürlich in englisch alle Leute zu einer „tour in the big wheel chair“ ein. Als sie bei der Erklärung, dass davor niemand Angst haben müsste, das Wort „wheel chair“ wiederholte, rief von hinten jemand „giant wheel“ … ach natürlich vom Riesenrad = giant wheel war doch die Rede und nicht vom Rollstuhl = wheel chair. Ob ich = Sigrid auch schon am Ende meiner Kräfte angelangt war?

Gemeinsam war im Prater unser erster Weg zum Riesenrad, wo auch alle Rollstuhlfahrer Wien aus der Höhe bestaunen konnten. Die restliche Zeit konnte jeder zur eigenen Erforschung des Praters nützen. Wir, Alex, Mama und ich, gingen eine „kleine“ Runde und spazierten zwischendurch einmal durch das Spiegelkabinett, wo mich Alex ganz bravourös hinausgelotst hatte. Ich warf auch einmal Bälle gegen Dosen, doch leider bekam ich nur den Trostpreis: einen kitschigen Schlüsselanhänger.

Wir schlenderten weiter durch den Vergnügungspark, der uns aber fast zu laut war und nach dem Kauf eines Lebkuchenherzens mit dem „Gruß aus Wien“ für Alexander´s Nichte, machten wir uns, bereits müde geworden, auf zum Bus, wo ich ein kurzes englisches Gespräch mit einem Schweden hielt.

PS: Henrik Ziehrer, Leiter der dänischen Gruppe, wurde inzwischen auf der Prater Hauptallee zum Denkmal des Wiener Komponisten Carl Michael Ziehrer geführt. Otto hat von diesem Musiker und tatsächlich auch Verwandten von Henrik natürlich auch einige Unterlagen daheim, die er für unseren Gast kopierte und zu ihm nach Hause schickte.

Daheim angekommen, blieb uns noch etwas Zeit, um uns für den Höhepunkt des Tages und zwar dem Empfang im Wiener Rathaus, fertig zu machen. Im Rathaus durften wir unsere selbst gemalten Bilder bewundern und wurden dort von der Vertreterin des Herrn Bürgermeisters Häupl, Dr. Claudia Laschau freundlich empfangen. Aus ihrem Mund sprach das Mitgefühl für die Menschen mit SHT sowie deren Angehörigen. Dr. Steinhoff bedankte sich bei allen, besonders bei Sigrid und ihrer Familie, die an der Organisation dieses wunderbar gelungenen, internationalen SHT-Treffens mitgeholfen hatten. Auch ihm selbst gebührt dieser Dank. Spontan meldeten sich dann noch einige Leute (PS: der Neurologe Univ. Prof. Dr. Franz Gerstenbrand, Niels-Anton Svendsen = Vizepräsident der europäischen „Brain-Injured and Families“-Vereinigung, Henrik Ziehrer aus Dänemark und Primoz Bitenc aus Slowenien) zu Wort, um teilweise selbst gerührt ihren Dank auszusprechen.

Ein Problem entstand allerdings: Es waren keine Sessel in diesem Saal vorhanden. Ich habe das total unsinnig gefunden, da es doch klar sein müsste, dass, wenn ein Empfang für Behinderte stattfindet, manche auch Steh- oder Gehprobleme haben. Das Beste war allerdings: Es kamen dann Sessel herein und diese standen auf der Seite, wo sie kein Mensch brauchte, da die Tische im ganzen Saal verteilt waren. Nun stellte meine Mutter einen Sessel zu einem kleinen Tisch, doch da kam so ein angestellter Kellner daher und meinte, die Sessel müssen am Rand stehen bleiben und trug den Sessel wieder an seinen vorherigen Platz zurück. Irgendwann begriffen sie dann allerdings, dass wir die Sessel bei den Tischen brauchten und sagten nichts mehr.

Ein herrliches Buffet stand dann noch für uns bereit. Bei live gespielter Klaviermusik kamen einige ins schwärmen und schwangen das Tanzbein, was wiederum die Verbindung dieser Menschen förderte. Hier gab es keine Barrieren. Gesunde und Kranke waren Eins!

Ich tanzte mit Oliver, dem Wiener im Rolli, mit Egon aus Schweden und Gerhard aus der Steiermark. Und von Otto bekam ich eine Rose geschenkt, ist das nicht nett?

Ich werde mit einigen per E-Mail in Kontakt bleiben und ich hatte mit Egon und seiner Frau Elisabeth ein schönes, längeres Gespräch in Englisch geführt. Dann hieß es Abfahrt und gleichzeitig Abschied nehmen. Die meisten sagten „see you“, was soviel heißt wie: Wir sehen uns irgendwann einmal wieder. Ich finde das schön, Du nicht auch?

Ein wenig wehmütig ging dann die Fahrt wieder zurück ins Gästehaus. Doch mit dem Bewusstsein, man ist nicht alleine, verabschiedeten wir uns und versprachen über Internet in Kontakt zu bleiben.

Das war leider der letzte Tag, den wir mit unseren Gästen verbringen durften. Auf der anderen Seite war es auch recht anstrengend und ich bin irgendwie froh, dass es jetzt vorbei war. Ich habe viele nette Menschen kennen gelernt und hoffe, dass ich sie und sie mich lange in Erinnerung behalten werden. Vielleicht schaffe ich es ja auch mit einigen in Kontakt zu bleiben und in englisch Briefe zu schreiben. Aber das, ist eine andere Geschichte …

Montag, 22. September 2003

PS: An diesem Tag sollten alle Teilnehmer nur mehr zum Flugzeug oder Bahnhof gebracht werden. Da die Leute aus Großbritannien, Niederlande und Slowenien aber noch mehr Zeit hatten, organisierten sie sich selbst den Bus samt Fahrer und fuhren noch zum Schloss Schönbrunn und in die Albertina zur Ausstellung mit dem berühmten „Hasen“ von Albrecht Dürer.

Von uns verabschiedet, machten auch wir Österreicher uns auf den Heimweg, doch so richtig dürften wir uns noch nicht auf wiedersehen gesagt haben, da erreichte mich (Sigrid) ein Anruf am Handy. Das Gästehaus meldete sich noch einmal und erklärte, dass Henrik Ziehrer aus Dänemark seinen Pass dort liegengelassen hatte. Natürlich ein wichtiges Dokument zum Einchecken am Flughafen. Also meldete ich mich bei ihm und wir vereinbarten, dass ich mit seinem Pass noch nach Schwechat fahren werde.

Auf der Heimfahrt vom Flughafen wurde ich dann noch vom Slowenen Primoz angerufen. Er hatte seine Kamera vermisst. Sie war im Bus liegengeblieben, wurde von einem Niederländer mitgenommen und er versprach den Fotoapparat daheim dann zu ihm nach Slowenien zu schicken …

Ich (Uschi) habe an diesen vier Tagen relativ viel Englisch geredet und gesehen, dass die Sprach-Barrieren nicht das wichtigste sind. Man(n) – und auch Frau kann auch mit den Augen und wenigen Worten ein Gespräch führen. Nur die Franzosen haben sich da irgenwie ausgeschlossen – sie reden nur französisch. Komisch, nicht wahr? Aber lustig war, dass eine Woche nach dem Treffen eine Karte von Francis, einer Französin zu uns ins Haus in Staatz (NÖ) flatterte. Sie schrieb mir in einem nicht sehr guten Deutsch ein paar Sätze von ihrem Urlaubsort. Finde ich wiederum schön und ich glaube, ich werde mit ihr auch in Briefkontakt bleiben.

Zu der „anderen“ Geschichte: Ich habe bis jetzt mir Egon und einer gewissen Anette aus Schweden, von der ich aber kein Bild im Kopf habe, kommuniziert. Wir haben uns  per E-Mail geschrieben und ich habe bemerkt, dass ich die englische Sprache schon wieder verlernt habe. Ich freue mich auf jeden Fall, wenn mir jemand schreibt und nehme mir beim Antworten das englische Wörterbuch zur Hand … ohne diesen dicken Wälzer geht das leider noch nicht. 

Dänemark 2002

Jütland und Kopenhagen 200

Programm

Montag, 29. Juli 2002
Flug von Wien nach Amsterdam

Dienstag, 30. Juli 2002
Weiterflug von Amsterdam nach Kopenhagen
Busfahrt nach Vildbjerg in Jütland
Abendfest mit dän. Volkstanzgruppe + franz. Sketches

Mittwoch, 31. Juli 2002
Sport: Segelboot, Kanufahren, Segelfliegen, Golf + Bowling

Donnerstag, 1. August 2002
Rundfahrt zur Westküste und Florden
Abschlussfeier mit Diavortrag über Graz und Wien

Freitag, 2. August 2002
Rückfahrt über Legoland nach Kopenhagen

Samstag, 3. August 2002
Shopping
Bootsrundfahrt durch die Kanäle
Vergnügungspark „Tivoli“ mit Feuerwerk um Mitternacht

Sonntag, 4. August 2002
Ausbildungskaserne der Wachgarde
Wachablöse vor Schloss Amalienborg
„Freistadt“ Christiania
Ny Carlsberg Glyptothek
Abschlussparty

Montag, 5. August 2002
Abschlussfeier im Rathaus
Rückflug nach Wien

Tagebuch

Brain Injured an Families (BIF)
(Hirnverletzte und Familien)

Youth Sports Event in Dänemark
(Jugend Sport Veranstaltung)

vom 29. Juli bis 5. August 2002
von und mit Sigrid Kundela

Montag, 29. Juli 2002

Brain Injured and Families (BIF), die „Europäische Vereinigung von Schädel-Hirn-Verletzten und deren Familien“ veranstaltete im Sommer 2002 ein Treffen von jungen Leuten mit dieser Verletzung. Vertreter aus Dänemark hatten sich bereit erklärt, diese Veranstaltung unter dem Thema „Sport“ abzuhalten. Dabei sollten alle Teilnehmer verschiedene Sportarten ausprobieren können.

Österreich wurde dabei von vier mutigen Pionieren vertreten. Alexander Fink (Alex) aus Heiligen Kreuz (Stmk) war von uns allen am schwersten behindert. Er hatte vor 13 Jahren bei einem Verkehrsunfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten und ist beim Gehen immer noch auf seinen Stock angewiesen. Gerhard Bürscher kommt aus Graz und war vor bereits 20 Jahren Opfer eines Verkehrsunfalls. Körperlich ist ihm keine Verletzung anzusehen, nur seine physische Belastbarkeit ist weitgehend eingeschränkt, was sich durch Ermüdgungserscheinungen mehrmals am Tag bemerkbar macht. Ralf Möller stammt aus Wien und hatte vor fünf Jahren einen schweren Unfall mit seinem Motorrad. Seither hat er beim Gehen immer noch Probleme. Ich, Sigrid Kundela, hatte vor zehn Jahren auch einen Verkehrsunfall. Seither ist meine Sehfähigkeit ziemlich eingeschränkt und größere Anstrengung mir nicht mehr zumutbar.

Reisefertig holte ich mit meinem Vater als Chauffeur, Ralf von daheim ab. Danach erwarteten wir um 12.01 Uhr Alexander und Gerhard von ihrer Fahrt aus Graz am Wiener Südbahnhof.

Bereits um 13.00 Uhr am Flughafen Wien-Schwechat angekommen, mussten wir bis 14.20 Uhr zum Check-in warten. Nach der Passkontrolle und dem Boarding dauerte es aufgrund technischer Probleme unserer Maschine eine Stunde bis zur Starterlaubnis. Dadurch verspätete sich unsere Landung in Amsterdam und der Anschlussflug nach Kopenhagen war demnach bereits abgeflogen. Um Alex die Fortbewegung zu erleichtern, wurden wir mit einem Flughafentaxi zum Hotelbus gebracht. Mit diesem Fuhren wir dann zum Hotel Mercure, wo wir auf Kosten der Fluglinie KLM Übernachtung und zwei Mahlzeiten gratis erhielten. Das Hotel war erstklassig und wer mit wem im Doppelzimmer geschlafen hat, wird nicht verraten!

Dienstag, 30. Juli 2002

Leider waren die Shuttlebusse zum Flughafen überfüllt. So ließen wir uns mit einem Taxi pünktlich und auch bequemer chauffieren. Die Kosten von € 17,40 bekam ich dann in Wien nach Vorlage eines Flugtickets rückerstattet.

Wir landeten pünktlich um 11.30 Uhr in Kopenhagen, nur das Gepäck von Gerhard und Alex ging bei diesem Flug leider verloren. Am Schalter für „Missing luggage“ über eine Stunde festgehalten, war es bereits 14.00 Uhr bis wir die beiden Dänen Niels-Anton Svendsen, ein Leiter dieser Veranstaltung und seinen behinderten Sohn Asger begrüßen konnten. Vor der Abfahrt meldete Ralf noch am Flughafenschalter, dass er seine Jacke im Hotel vergessen hatte, welche er letztendlich leider nicht mehr zurück bekam.

Nun wurden wir von Niels-Anton mit seinem kleinen Bus über zwei große Brücken nach Jütland gebracht. Der Veranstaltungsort Vildbjerg war 400 km von Kopenhagen entfernt. So kamen wir erst um 18.00 Uhr im Aufenthaltsgelände an. Für diesen Abend war ein Beitrag zur Präsentation des eigenen Landes vorgesehen. Da mit Dänemark, Frankreich und Österreich nur drei Länder vertreten waren, erschien uns das nicht wirklich abendfüllend. Dennoch stellten die Dänen ihr Land durch eine Volkstanzgruppe bei einem Grillfest im Freien beschwingt vor. Gerhard war davon so begeistert, dass er dabei alleine im Hintergrund mittanzte. Danach wurden wir in den großen Festsaal gebeten, wo wir mit Begleitung am Keyboard ein Lied in dänischer und englischer Sprache sangen. Danach zeigten die Franzosen zwei pantomimische Sketches, die Hilfe für Behinderte zum Inhalt hatten. In einem gemeinsamen Abschlusstanz konnten wir unsere Zusammengehörigkeit zum Ausdruck bringen. Schließlich erklärte Elgar Gade, der Organisator in Vildbjerg, noch das Program für den nächsten Tag und wünschte allen eine gute Nacht. Wer wollte, konnte zu Popmusik noch eine Weile weitertanzen. Ich zahlte währenddessen bei Kim Brinklrv, dem Leiter der Veranstaltung, unseren Teilnahmebeitrag und vereinbarte mit Elgar, unseren Diavortrag zur Präsentation unseres Landes am Donnerstag abzuhalten. Danach fiel – zumindest ich – todmüde ins Bett.

Mittwoch, 31. Juli 2002

8.00 Uhr Frühstück. Sporttag für die Österreicher. Ralf kam mir an diesem Morgen barfuss entgegen, da er am Abend zuvor vollständig bekleidet in den Swimming Pool gefallen war. Leider hatte er kein zweites Paar Schuhe in Reserve. Glücklicherweise hatte Gerhard ein zweites Paar Turnschuhe dabei. Ralfs Geld war bei diesem Sturz in den Pool natürlich nass geworden und sein Handy funktionierte leider auch nicht mehr.

Nach einem Anruf von Niels-Anton am Flughafen teilte man uns mit, dass der Computer der Fluglinie leider defekt war und es nach wie vor fraglich war, wo sich Koffer und Tasche der beiden Steirer befand.

Um 9.15 Uhr fuhren wir dann zu den ersten sportlichen Aktivitäten an einen nahegelegenen See. Ralf, Gerhard und ich, versuchten uns im kleinen Segelboot. Zunächst bekamen wir alle eine Schwimmweste umgebunden. Zuerst wurde Ralf alleine in dieses Boot gesetzt. Der Segellehrer zeigte uns, wie wir mit den Händen das Steuerruder betätigen konnten. Dann wurde Ralf mit einem Motorboot hinaus auf den See gezogen, wo er versuchte zwischen den angegebenen Wendepunkten herumzusegeln. Danach wurden Gerhard und ich mit je einem eigenen Boot auf den See hinausgezogen. Gerhard und Ralf verfuhren sich leider ziemlich bald und wurden mit dem Motorboot zum Hafen zurückgebracht. Ich segelte zwischen den beiden Begrenzungsbällen hin und her und dachte, dass mich der Chef nach einiger Zeit zurückholen würde. Aber erst nach gut zwei Stunden rief er mir aus der Ferne zu: „Your time is over now.“ Erstaunlicherweise schaffte ich es dann selbst zum Hafen zurückzusegeln.

Alex war währenddessen bei den Kanubootfahrern gelandet. Zehn Minuten reichten beim Rudern aus, dass seine Hose im Gesäßbereich ziemlich nass wurde. Ersatzhose hatte leider niemand mitgenommen. So setzte ich ihn auf Servietten und wechselte die immer wieder nass gewordene Unterlage mit neuen, trockenen Tüchern.

Nach einem Sandwich zum Mittagessen fuhr ich dann mit Alex zu den Segelfliegern. Ralf und Gerhard waren schon länger dort, mussten aufgrund ihrer Startnummern aber trotzdem noch eine Weile zuwarten. Auch hier war Ralf der erste Starter. Mit einem umgebundenen Fallschirm wurde er hinter den Piloten in den Segelflieger gesetzt. Nach einer Weile wurde seine Maschine mit einem Seilzug in die Höhe gezogen. Als nächstes wurde Gerhard in einen Flieger gesetzt. Nach etwa zehn Minuten landete Ralf bereits wieder und aufgrund seiner üblichen blassen Gesichtsfarbe fiel nicht auf, wie gut oder schlecht es ihm eigentlich ging. Ich war dann als Nächste an der Reihe und übergab Ralf meinen Fotoapparat zum Weiterknipsen. Ich hatte mir das Segelfliegen viel eindrucksvoller vorgestellt und war glücklich, dass auch ich nach rund zehn Minuten mit Hilfe des Piloten wieder wohlbehalten auf der Erde war und nicht mehr durch Windböen nach links oder rechts gebeutelt wurde. Gerhard lag mittlerweile ausgestreckt am Boden und wartete, dass sein aufgekommenes, mulmiges Gefühl im Magen bald wieder verschwinden würde. Auch Alex hatte durch diesen Flug keine neue Lieblingssportart entdeckt. Wir alle waren froh, wieder festen Boden unter unseren Beinen zu spüren.

Danach fuhren wir auf einen Golfplatz. Zuerst lernten wir mit Schlägern das richtige Einlochen der Bälle, ähnlich wie beim Minigolf. Dabei wählte der Golflehrer die seiner Meinung nach besten drei Spieler für den „Wettkampf“ heraus, zwei Franzosen und ich nahmen letztendlich als „Golfasse“ daran teil. Erstaunlicherweise schaffte ich als Einzige von uns Dreien, die drei vorgegebenen Bälle mit nur sechs Schlägen einzulochen. Dann gingen wir zum Weitschussgelände. Dort wurde uns erklärt, wie man einen Golfball richtig in die Ferne schießen kann. Ich meldete mich gleich als erste „Versuchskandidatin“ an und konnte wie auch Gerhard den Ball weit wegschießen. Bei der Verabschiedung erhielt ich dann als Preis eine Tafel Schokolade, die ich an alle Mitspieler verteilte.

Nach dem Nachtmahl fuhren wir in eine große Bowlinghalle, wo jeder seine Künste mit den schweren, rollenden Kugeln versuchen konnte. Nur Ralf blieb mit einem untertags erlittenen Sonnenstich erschöpft in der Herberge zurück. Von Niels-Anton erfuhren wird noch, dass man das Gepäck von Alex und Gerhard endlich gefunden hatte. Es befindet sich allerdings immer noch am Flughafen in Kopenhagen und würde erst am nächsten Tag nach Vildbjerg zugestellt werden.

Donnerstag, 1. August 2002

Um 9.00 Uhr begann unsere Rundfahrt zur Westküste entlang der Fjorde und wieder zurück nach Vildbjerg. Auf deutsch übersetzt heißt dieser Ort „wilder Berg“, nur waren diese Erhebungen in der ganzen Gegend nirgends zu entdecken. Bei unserer Rundfahrt kamen wir mit dem Bus zu einer Windmühlenfabrik. Hierorts standen auch viele Windmühlen zur Energiegewinnung.

Gegen 17.00 Uhr waren wir wieder daheim. Auch das Gepäck unserer Steirer war endlich angekommen. Da am nächsten Tag bereits die Rückfahrt geplant war, mussten die beiden Burschen ihre Koffer gar nicht mehr auspacken bzw. ersparten sich somit das Wiedereinpacken. Gerhard bekam damit endlich auch die Videokamera seines Vaters in die Hände. Doch um damit unsere sportlichen Szenen dokumentarisch festhalten zu können, war es leider schon zu spät.

Zur Abschlussfeier in Vildbjerg gab es ein Gala-Diner serviert von Freunden aus dem Lions Club. In der Pause zwischen Vor- und Hauptspeise zeigten wir unsere Dias aus Graz und Wien. Dabei hatten wir unsere Österreich-T-Shirts angezogen. Sämtliche witzige Bemerkungen über unser eigenes Land fanden allgemein Gefallen. So brachte ich mit dem Hinweis, dass mit der Statue von Pallas Athene, der griechischen Göttin der Weisheit, vor dem Parlament die Weisheit scheinbar leider vor und nicht in dem Gebäude sei, alle Leute zum Lachen. Wie erhielten viel Anerkennung für unseren Vortrag – in englischer Sprache – und alle waren erfreut, eine eigenen Betrachtungsweise von Österreichern über ihr Heimatland gehört zu haben. Nach dem Essen gab es Countrymusic von einem Dänen, wo bei vielen bekannten Lieder mitgesungen wurde. Danach konnten alle Teilnehmer noch bis Mitternacht zu Discomusik tanzen.

Freitag, 2. August 2002

n der Früh bekam ich von Kim die vier „Diploma“ = Urkunde für alle österreichischen Teilnehmer überreicht. Da er sich mit der richtigen Schreibweise unserer Namen nicht ganz sicher war, werden die Diplome von mir richtig ausgefüllt und bei unserem Treffen mit Berichterstattung über unsere Reise nach Dänemark am Freitag, dem 4. Oktober 2002 in Graz und am Sonntag, dem 13. Oktober 2002 in Wien überreicht.

Leider regnete es bei unserer Rückfahrt nach Kopenhagen. Bei dem Besuch im Legoland wurden Sandwiches an uns verteilt. Ich kümmerte mich um dünne Regenmäntel für unsere Teilnehmer, damit wir bei unserer selbständigen Besichtigungstour nicht ganz nass wurden. Alex und ich hatten bei unserer Fahrt auf den Aussichtsturm der Anlage einen guten Überblick über Legoland bekommen.

Während der Weiterfahrt im Bus saß ich neben Gérard Gueneau, dem Generalsekretär von BIF. Er wollte gerne mehr über Österreich, unsere Gruppe und unseren Obmann Dr. Nikolaus Steinhoff wissen. Auch von meinen Meinungen, Ideen und Verbesserungsvorschlägen wollte er gerne mehr erfahren. Es war sehr erfreulich zu erfahren, auf wie viel Zusammenarbeit bei der Arbeit von BIF Wert gelegt wird.

Bei der Jugendherberge „Danshostel“ in Kopenhagen angekommen, gab es in der Kantine ein ausreichendes, dreigängiges Nachtmahl. Nach der Zimmereinteilung stand uns der Abend zur freien Verfügung. Da es aber regnete, setzten wir uns mit meinem Baedeker-Reiseführer von Kopenhagen zusammen und gingen bald schlafen. Nur Gerhard informierte sich noch eine Weile im Internet – möchte gar nicht wissen, wie viel diese Surferei für ihn gekostet hat.

Samstag, 3. August 2002

Nach dem Frühstück wurde der Tagesplan beschlossen. Um 11.30 Uhr wurden dann alle Teilnehmer zum Shopping in die Stadt gebracht. Gerhard lud Alex und mich zu einer frisch gebackenen Waffel ein. Ralf war vorübergehend leider verloren gegangen. Dann wurden wir auf eine Rundfahrt mit einem Boot durch die Kanäle der Stadt eingeladen. Leicht verständlich erklärte die Führerin auf dänisch, französisch und auch auf deutsch alle Sehenswürdigkeiten. Während dieser Bootsfahrt fand auch unser Mittagessen statt. Danach fuhren wir alle zum Ausruhen in die Jugendherberge zurück. Dort unterhielt ich mich ausführlich mit Niels-Anton über alle möglichen Probleme, über mögliche Besserungsvorschläge und neue Ideen. Das Nachtmahl fand im türkischen Selbstbedienungsrestaurant „Ankara“ statt. Danach erhielten alle ein Armband mit der Telefonnummer von Niels-Anton und Henrik Ziehrer, einem selbst SHT-Betroffenen und dadurch für uns einzigartigen Reiseführer. Unter dieser Nummer hätten wir für den kommenden Abend bei Problemen ihre Hilfe anfordern können. Gestärkt gingen wir dann zu Fuß in den „Tivoli“. Beim Eintritt in diesen Vergnügungspark erhielt jeder eine Schleife für das Handgelenk. Diese ermöglichte uns damit bargeldlos die Benützung sämtlicher Anlagen und dortigen Veranstaltungen. Danach begaben wir uns zur großen Freilichtbühne, wo eine Vorstellung mit der verschiedenen Attraktionen stattfand. Eindrucksvoll war vor allem ein Artist, der mit Saugnäpfen an seinen Schuhen verkehrt am Gebäudegerüst herumging. Danach amüsierten wir uns bei einer Vorführung des Pantomimetheaters. Durch die Gesten der Darsteller war das Stück für uns alle leicht zu verstehen. Danach gingen Ralf und Gerhard leider verloren. So setzte ich mich mit Alex zu Kaffee und Tee in ein nobles Lokal. Dort plauderten wir dann über unsere Zeit vor und nach dem Unfall. Dabei verging die Zeit so schnell, dass wir bald Richtung Ausgang marschierten und dabei die beiden „verlorengegangenen Kollegen“ wiederfanden. Nach dem mitternächtlichen Feuerwerk brachte uns der Bus wieder zurück in die Herberge. Erst um 1.00 Uhr in der Früh fielen wir müde ins Bett.

Sonntag, 4. August 2002

Am Vormittag besichtigten wir die Kaserne zur Ausbildung der Wachgarde. Lustig sah das Bürsten der bereits aufgesetzten Bärenmützen aus. Während einige Soldaten im Gleichschritt das Gelände verließen, wurden alle Gäste zum Wachwechsel der Garde mit dem Bus nach Schloss Amalienborg gebracht. Danach Mittagessen am Rand der „Freistadt Christiania“. Seit 1971 leben in diesem, damals stillgelegten Kasernengelände alternative Leute und Hippies. Beim anschließenden Spaziergang durch dieses Gelände kam ich ganz schön ins Schwitzen. Die Gruppe ging für Alex viel zu schnell. So lief ich rasch voran, um dem Reiseleiter einzubremsen und kam dann nochmals zurück, um unseren zurückliegenden Freunden den richtigen Weg zu zeigen.

Danach fuhren wir mit dem Bus  an der Meerjungfrau, dem Wahrzeichen Kopenhagens, vorbei. Ein kleines Denkmal, das um diese touristenreiche Jahreszeit stets von Besuchern umarmt wird.

Am Nachmittag gab es dann freie Zeit zur  Besichtigung der Ny Carlsberg Glyptothek. Am Abend stand eine Abschlussfeier am Programm. Niels-Anton hatte selbst ein Lamm für uns gegrillt. Nach dem Essen saß ich mit ihm beisammen und erfuhr von den Folgen eines Herzinfarktes seines Sohnes Asger. Zur Entlastung seiner Frau Hanne hatte er Asger bei der Fahrt nach Jütland mitgenommen. Für Niels-Anton und seine Frau war es keine Frage, Asger aufgrund seiner Krankheit nach Hause zu nehmen. Dort konnte er sich dann von den Folgen seines Herzstillstandes richtig gut erholen, nur mit seinem Gedächtnis hat er immer noch Probleme. Danach unterhielt ich mich noch mit dem Veranstaltungsleiter Kim über Dr. Steinhoff´s Versuch der „Telemedizin“. Eine Idee, die scheinbar auch in Dänemark praktiziert wird. Kim ersuchte um Erfahrungsaustausch mit Dr. Steinhoff, denn auch damit kann sich jeder kleine Hinweis als nützlich erweisen. Währenddessen tanzten Ralf und Gerhard zu rhythmischer Musik. Bei der Rückkehr in die Herberge mussten wir noch eine Weile auf die letzte  Rückreiseinfo von Henrik warten. Dabei erzählte Gerhard von seinen vielen Pokalen, die er bei der Behindertenolympiade in den verschiedensten Sportarten schon gewonnen hatte. Für ihn war nur ein Tag aktiver Sport freilich viel zu wenig anstrengend und man konnte ihm versichern, dass er bald daheim wieder genug Zeit für Bewegung haben wird.

Montag, 5. August 2002

Für die Abschiedsfeier im Rathaus stand nur mehr eine halbe Stunde Zeit zur Verfügung, da die Franzosen bald Abflugzeit hatten. Nach kurzer Ansprache des Gesundheits-Senatspräsidenten gab es noch rasche Dankesworte aller Gruppenleiter. Am Flughafen verabschiedete man sich von allen Teilnehmern mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Abflug, Umsteigen in Amsterdam und Landung in Wien klappten bei unserem Rückflug problemlos. Nur der Koffer von Ralf war noch nicht angekommen … aber was konnte uns noch erschüttern?

Vielen Dank, dass die SHGs aus Graz und Wien die Kosten für unsere Teilnehmer dafür gänzlich übernommen hatten. Ohne deren Unterstützung hätten es sich alle Teilnehmer finanziell nicht leisten können. Welch ein Glück, dass wir unsere abgeschlossene Reisekrankenversicherung nicht gebraucht hatten und gesund wieder daheim angekommen sind.

Danach …

… schrieb ich dieses Tagebuch zur Erinnerung für die Teilnehmer und als Information für jene, die gerne mehr über diese Reise erfahren wollen. Nachdem Alexander Fink und diese Veranstaltung schon am Montag, dem 29. Juli 2002, in ORF 2 in der Sendung „Willkommen Österreich“ vorgestellt wurden, brachte man am darauffolgenden Mittwoch, dem 7. August 2002, einen Beitrag über mich und mit mir live in dieser Sendung. Danach bedankte sich auch der Moderator Peter Tichatschek für mein Kommen und wünschte mir und auch unseren SHT-Gruppen alles Gute für die Zukunft. Dieser Beitrag war gleichzeitig auch Werbung für unsere Selbsthilfegruppen, denn gleich danach meldeten sich einige neue Interessenten bei unserem Info-Handy.

 

Weiters schrieb ich unsere Verbesserungsvorschläge für eine neuerliche derartige Veranstaltung zusammen. Mit diesen Hinweisen kann Österreich sicher in guter Verbindung mit der europäischen Vereinigung BIF bleiben und somit auch auf deren Unterstützung hoffen.

 

BIF wurde übrigens Mitglied beim European Disability Forum (EDF) in der EU. Unser Land ist durch Dr. Nikolaus Steinhoff ebenso in der BIF vertreten wie Frankreich, Dänemark, Schweden, Niederlande, Belgien, Deutschland, Schweiz, Italien, Großbritannien, Irland und Spanien. Zweimal im Jahr kommt es zu einem Treffen mit Besprechungen unterschiedlicher Themen der Landesvertreter. Die Kosten dafür trägt jeder Teilnehmer selbst.

Wir hoffen, dass beim nächsten geplanten BIF-Treffen im Oktober 2002 in Dublin (Irland) sich ein Land für die Durchführung eines nächsten BIF Events bereit erklären wird. Denn nur so werden wir unsere Zusammenarbeit verstärken können. Unsere Besserungsvorschläge werden wir auch an Gérard Gueneau, dem Generalsekretär von BIF weiterleiten. Vielleicht könnten auch andere Schwerpunkte wie Musik, Theater oder Kultur gesetzt werden. Hauptsache ist, dass bei solchen Treffen vor allem die betroffenen SHT-Menschen aus den Teilnehmerstaaten ihre Erfahrungen austauschen und sich dabei ihre Lebenssituation verbessern können.