„Café im Dunkeln“ beim Blindenverband

SHG-SHT Villach

Am 3. Mai besuchten wir mit der Gruppe „Hirnverletzt-vernetzt“ den Blinden- und Sehbehindertenverband Kärnten. Bereits 1946 wurde dieser unabhängige und gemeinnützige Verein gegründet. In der Vereinsunterkunft brachte uns sehbeeinträchtigter Willibald Kawalirek Informationen und durch eine Führung die Welt der Blinden näher.

In Kärnten leben derzeit 500 vollblinde- sowie 1500 Personen mit einer Sehleistung unter 5% verschiedlichen Alters. Diese Beeinträchtigung birgt große Gefahr der sozialen Isolation. Auch der Verein hilft mit Beratung für Betroffene und deren Angehörige, soziales Service, die Suche nach sowie Schaffen von Arbeitsplätzen und deren Erhalt. Dazu gibt es auch Informationen über Hilfsmittel wie: sprechende Uhr, Wecker, Telefon, Spiele, vorlese Bildschirm, Lupen, eigene PC-Tastatur, Sportmöglichkeiten …

Im Kärntner Blinden- und Sehbehindertenverband

Der Verein wird auch bei öffentlichen Bauten herangezogen. Ebenso beherbergt das Gebäude eine Werkstatt, wo Betroffene Besen und Bürsten unterschiedlicher Größen und Material herstellen. Auch ein Tischtennisraum mit speziell ausgestattetem Tisch und geänderten Regeln, wie eine Schießanlage werden für sportliche Aktivitäten angeboten. Willibald Kawalirek erzählte uns mit Stolz, dass es bereits eine Schießweltmeisterin gibt.

Den Abschluss dieses Nachmittages erlebten wir eingeladen auf Kaffee und Kuchen in völliger Dunkelheit - natürlich mit einer Erleichterung. Bevor das Licht ausging, hatten wir kurze Zeit uns die Gegenstände auf dem gedeckten Tisch einzuprägen. Dann wurde es finster - wirklich ganz finster. In dieser Dunkelheit sollten wir uns Kaffee aus der Thermoskanne einschenken sowie bei Bedarf Milch und Zucker  verwenden. Viele - auch ich - hielten dazu einen Finger in die Tasse. So konnten wir die Kaffeemenge „erfühlen“. Der anfänglichen Stille folgte Gelächter und Plauderei. Toll, wenn man über sich selbst lachen kann.

Als weitere Herausforderung servierte Willibald Kawalirek Jedem ein Stück cremigen Kuchen. Der Kaffee schmeckte hervorragend, obwohl sich der Umgang mit dem am Teller platzierten Kuchen, der Größe auf der Gabel sowie die Führung zum Mund als ziemlich schwierig gestaltete. Man wollte ja bei Licht keinen „Saustall“ am Tisch erblicken. Daher ist für betroffene Personen eine immer gleichbleibende Ordnung wichtig, sie erspart Zeit und reduziert Hektik. Zusätzlich verfügen Sehbeeinträchtige/Vollblinde als „Erleichterung“ für den Tagesablauf über einen ausgeprägten Tast- und Gehörsinn.

Endlich ging das Licht an und so furchtbar war der Tischanblick gar nicht – Gott-sei-Dank! Gemeinsam „säuberten“ wir die Tische und plauderten. Unsere Hochachtung stieg und Wertschätzung gebührt den betroffenen Menschen sowie deren Angehörigen.

An diesem Nachmittag lernten wir nicht nur Leute von der Gruppe „Hirnverletzt-vernetzt“ kennen. Nein, wir durften viele bis dahin unbekannte Informationen und Praxiserfahrung mitnehmen, welche sicher jedem im Gedächtnis bleiben. Herzlicher Dank Willibald Kawalirek sowie Ricarda Motschilnig

Unser Kollege von der SHG-Villach, Roland Pirzl hatte sich leider bei einem Sturz den Oberschenkel gebrochen und wird daher längere Zeit ausfallen. Wir wünschen ihm alle eine gute Besserung und freuen uns auf ein Wiedersehen.

Mag. Martina Bergner, Wernberg, Terlach

Schreibe einen Kommentar